Landratsamt fördert Projekte in Ländern des Globalen Südens

50.000 Euro gehen an 31 Projekte unter anderem in Afrika, Asien und Lateinamerika

Martin Wuttke: „Der Landkreis fördert die nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe“

Hände

Seit 38 Jahren unterstützt der Landkreis Böblingen Projekte in Ländern des Globalen Südens. Für diese partnerschaftliche Zusammenarbeit stellt der Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistages in diesem Jahr 50.000 Euro zur Verfügung. Es gingen 31 Projektanträge von Kirchen, Vereinen und Eine-Welt-Läden mit ganz vielfältigen Projekten ein. Die Projekte werden in Ländern Afrikas, Asiens, Nordamerikas, Südamerikas und Mittelamerikas realisiert. Darunter waren zum Beispiel Projekte im Bereich der Wasserversorgung, Gesundheit, Bildung oder Frauen-Empowerment. Zum Abschluss der Förderrunde 2025 für die Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit fand am Mittwoch (26. November) eine Netzwerkveranstaltung im Landratsamt statt. Der stellvertretende Landrat Martin Wuttke betonte in der Begrüßung: „Der Landkreis fördert die nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe. Gruppen und Organisationen von hier unterstützen Partner in Ländern des Globalen Südens bei der Umsetzung von Projekten. Nachhaltigkeit, Fairer Handel und Klimagerechtigkeit sind hierbei wichtige Aspekte“.

Nach der Begrüßung bildete der Vortrag von Jean Paul Tsague den Mittelpunkt der Veranstaltung. Als Referent des Entwicklungspädagogischen Zentrums Reutlingen nahm er die Teilnehmenden mit auf die Reise eines Handys – von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur fachgerechten Entsorgung. Dabei beleuchtete er die damit verbundenen Herausforderungen, etwa den oftmals fehlenden Arbeitsschutz bei der Rohstoffgewinnung. Der Vortrag regte dazu an, das eigene Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen, und gab zudem praktische Hinweise, wie alte Geräte weiterverwendet oder sinnvoll weitergegeben werden können. Im Anschluss bot sich die Gelegenheit zum gemeinsamen Austausch – eine wertvolle Möglichkeit, sich zu vernetzen und voneinander zu lernen.

Unterschiedlichste Projektträger, wie Kirchen, Vereine oder Eine-Welt-Läden sind seit vielen Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv. Einige von ihnen sind seit Beginn der Förderung im Jahr 1987 dabei, so zum Beispiel der Eine-Welt-Laden in Sindelfingen. Dieses Jahr wird die Cooperativa Integral De Producción Mujeres Mayas „Tejidos Guadelupe“ in Ciudad, Guatemala unterstützt. Sie unterstützt Frauen bei der Vergabe von Minikrediten, um Einkommensmöglichkeiten zu schaffen für die Versorgung von bedürftigen Kindern und alten Menschen in den umliegenden Dörfern. „Das vielfältige entwicklungspolitische Engagement im Landkreis ist beispielhaft. Mein besonderer Dank gilt den Initiativen, die schon über Jahrzehnte hinweg aktiv sind und das auch in schwierigen Zeiten. Ein Schwerpunkt der diesjährigen Förderung liegt im Bereich der Bildung“, erklärte Martin Wuttke. „Ziel des Landkreises ist es auch, junge Menschen für die Entwicklungszusammenarbeit und Fairen Handeln zu begeistern, damit das bereits bestehende Engagement im Landkreis langfristig fortgesetzt werden kann“, ergänzte der stellvertretende Landrat.

Neben der finanziellen Unterstützung engagiert sich der Landkreis auch selbst in der Entwicklungszusammenarbeit. Seit 2016 besteht zwischen dem Abfallwirtschaftsbetrieb und der tunesischen Kleinstadt El Guettar eine Partnerschaft im Rahmen des Projektes „Kommunale Zusammenarbeit Maghreb-Deutschland“. Im Jahr 2019 wurde die Partnerschaft durch eine Partnerschaftsvereinbarung um die Handlungsfelder Umwelt und nachhaltige Entwicklung, Bildung und Ausbildung, Tourismus und Kultur und Lokales Kunsthandwerk erweitert. Darüber hinaus ist der Landkreis auch im Fairen Handel aktiv. Im Jahr 2023 wurde er als Fairtrade Landkreis auszeichnet und in diesem Jahr erfolgreich re-zertifiziert. Ziel ist es, Fairen Handel auf kommunaler Ebene zu fördern und sich mit verschiedenen lokalen Akteuren für gerechte Handelsbeziehungen weltweit einzusetzen. Erst kürzlich wurde der faire Landkreiskaffee „Kaffee Vielfalt“ eingeführt, welcher vom Landkreis dank eines Preisgelds für sein entwicklungspolitisches und nachhaltiges Engagement, entwickelt werden konnte. Der Landkreiskaffee als sinn- und identitätsstiftendes Produkt ist nun der nächste Meilenstein in diesem Engagement: Er würdigt die Arbeit der Menschen im Globalen Süden und dient gleichzeitig als Botschafter für den Landkreis Böblingen. Mehr Informationen unter www.lrabb.de/landkreiskaffee. Bei der Netzwerkveranstaltung gab es für die Teilnehmenden zudem die Möglichkeit, den fairen Kaffee bzw. Espresso beim Weltladen Aidlingen zu erwerben, welcher mit einem Stand vor Ort vor.

Zur Bedeutung der Projektbeiträge und kommunaler Entwicklungszusammenarbeit betonte Martin Wuttke: „Die Corona-Pandemie, der Klimawandel, vielfältige Migrationsbewegungen und Kriege führen uns immer wieder die weltweiten Zusammenhänge vor Augen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir kooperieren und uns alle – ob von Seiten der Zivilgesellschaft oder der Verwaltung – gemeinsam für eine nachhaltige Entwicklung engagieren.“

Die prekäre Haushaltslage des Landkreises hat auch Auswirkungen auf das Engagement bei der Eine-Welt-Förderung und Entwicklungspolitik. So ist der Landkreis aufgrund Sparmaßnahmen zur Konsolidierung des Haushalts dazu gezwungen, sein Engagement im Bereich der Entwicklungspolitik und Eine Welt-Förderung im Rahmen des Sparpaketes zu vermindern. Die Förderhöhe der Eine-Welt-Förderung wird daher ab dem Jahr 2026 von 50.000 Euro um 10.000 Euro auf 40.000 Euro reduziert.

(Erstellt am 27. November 2025)

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