Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut im Landkreis Böblingen
Gemeinsam gegen Kinderarmut: Politik und Praxis im Austausch

Fast jedes 5. Kind in Baden-Württemberg lebt in Armut oder ist von Armut bedroht. Dem möchte der Landkreis Böblingen mit vereinten Kräften begegnen. Wie kann Kinderarmut im Landkreis Böblingen frühzeitig verhindert und Teilhabe für Kinder und Familien verbessert werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich am 28. September Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, Fachkräfte sowie weitere Engagierte beim politischen Kick-off des neuen Präventionsnetzwerks gegen Kinderarmut im Landratsamt Böblingen. Ziel des Netzwerks, das mit einer Auftaktveranstaltung für Fachpublikum im März gestartet war, ist es, bestehende Angebote für Familien besser zu vernetzen und sichtbar zu machen. Zugänge zu Angeboten und Unterstützungsleistungen sollen verbessert werden und Bedarfe frühzeitig erkannt werden, um Familien gezielt zu unterstützen.
Landrat Roland Bernhard betonte bei der Begrüßung der politischen Kickoff-Veranstaltung: „Jedes Kind in unserem Landkreis soll eine faire Chance bekommen unabhängig von der Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern.“
Die Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Petra Krebs MdL sagte in ihrem Grußwort: „Teilhabe darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Mit dem Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Kinder und Familien frühzeitig erreicht und unterstützt werden. Dafür braucht es das Zusammenspiel aller Akteurinnen und Akteure – und genau dieses Engagement zeigt das Landkreis Böblingen vorbildlich. Das Sozialministerium unterstützt den Landkreis und die Caritas Schwarzwald-Gäu sehr gerne weiterhin bei der Durchführung des Präventionsnetzwerks, sowohl finanziell als auch konzeptionell.“
Im Anschluss gab die Armutsforscherin Gerda Holz einen fachlichen Impuls zu Ursachen und Folgen von Armut. Sie betonte die Bedeutung eines armutssensiblen Handelns und formulierte zugleich die zentrale Botschaft für das neue Netzwerk: „Kooperation statt Konkurrenz.“
Anhand eines Praxisbeispiels aus Jettingen wurde die Netzwerkarbeit auf Gemeindeebene durch Bürgermeister Hans Michael Burkhardt und Michael Groh von der Waldhaus Sozialpädagogische Einrichtungen der Jugendhilfe gGmbH vorgestellt.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Staatssekretärin Petra Krebs MdL, Jasmina Hostert MdB, Albrecht Stickel MdL, Bürgermeister Bernd Dürr (Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags) und Gerda Holz ging es unter anderem um finanzielle Unterstützung für Familien, wohnortnahe Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche und die Rolle von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.
Judith Maier vom Waldhaus Hildrizhausen berichtete über Unterstützungsbedarfe bei schulischen Herausforderungen. Nadine Hempke von der AWO Böblingen-Tübingen hob die Bedeutung der Offenen Jugendarbeit hervor. Dr. Susanne Seiz von der Familienbildungsstätte Herrenberg berichtete von einer wachsenden Nachfrage nach Vergünstigungen. Thomas Grünwald von der Caritas machte auf die Bedeutung der Schulsozialarbeit aufmerksam.
Zu den Praxisbeispielen beantworteten die politischen Vertreterinnen und Vertreter konkrete Fragen. Der direkte Austausch zeigte: Kinderarmut betrifft unterschiedliche Lebensbereiche und erfordert deshalb das Zusammenspiel verschiedener Akteurinnen und Akteure – von Politik und Verwaltung über Bildung und Jugendhilfe bis hin zu Familienbildung und sozialen Einrichtungen.
Unterstützt wird das Präventionsnetzwerk durch das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat, den Landkreis Böblingen und die Caritas. Projektträger ist die Caritas Schwarzwald-Gäu. Gemeinsam mit dem Landratsamt Böblingen sollen bestehende Angebote sichtbarer gemacht, Akteurinnen und Akteure stärker vernetzt und gemeinsame Ansätze zur Prävention von Kinderarmut entwickelt werden. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage www.caritas-schwarzwald-gaeu.de/praeventionsnetzwerk



