IC-Halte im Oberen Gäu: Aktueller Stand der Gespräche
Landrat Roland Bernhard: „Wer in dieser Phase den laufenden Dialog untergräbt, richtet politisch einen Scherbenhaufen an.“
Zu dem heute im Gäuboten erschienenen Artikel über die künftigen IC-Halte im Oberen Gäu stellt der Landkreis Böblingen klar: Die dort wiedergegebenen Aussagen des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg zum Wegfall der IC-Halte in Herrenberg, Gäufelden und Bondorf sind weder mit der Deutschen Bahn noch mit dem Landkreis Böblingen und den betroffenen Kommunen abgestimmt. Sie entsprechen nicht dem zwischen den Beteiligten in den Runden Tischen geeinten Sachstand.
Landrat Roland Bernhard kritisiert das Vorgehen deutlich: „Solche einseitigen Aussagen helfen der Sache nicht, sie schaden ihr. Wir befinden uns weiterhin in Gesprächen. Auf der Fachebene werden die Vorschläge der kommunalen Seite derzeit geprüft. Die Terminabstimmung zur dritten Gesprächsrunde läuft auf Hochtouren. Wer in dieser Phase öffentlich den Eindruck erweckt, die Sache sei entschieden, untergräbt den laufenden Dialog.“
Der Oberbürgermeister der Stadt Herrenberg, Nico Reith, ergänzt: „Noch vor zwei Wochen wurde ich seitens des Verkehrsministeriums gebeten, bis zur finalen Prüfung des Gesamtfahrplans im September mit einer externen Kommunikation zu warten. Nun erfahre ich aus der Zeitung, dass sich das Land, das wohl aufgrund der Mitfinanzierung dieses Abschnitts den größten Einfluss auf die Bahn hat, offenbar schon entschieden hat. Über das Vorgehen bin ich daher super enttäuscht. Fachlich ist es aus meiner Sicht ohnehin das falsche Vorgehen, wenn man Menschen von der Straße auf die Schiene bringen will.
Der Landkreis Böblingen, die Stadt Herrenberg sowie die Gemeinden Gäufelden und Bondorf hatten sich gemeinsam gegen die ersatzlose Streichung der IC-Halte im Oberen Gäu ausgesprochen. Ziel der kommunalen Seite bleibt es, eine tragfähige Lösung zu erreichen, die sowohl die Stabilität der Gäubahn verbessert als auch die Fernverkehrsanbindung des südlichen Landkreises Böblingen sichert. Insbesondere der IC-Halt Herrenberg muss aus Sicht des Landkreises erhalten bleiben – und dies nicht nur in den äußeren Fahrplanlagen.
„Wir stellen nicht in Abrede, dass die Gäubahn pünktlicher und verlässlicher werden muss. Das unterstützen wir ausdrücklich“, so Bernhard. „Aber Fernverkehrshalte können nicht allein nach betrieblichen Parametern auf einem Teilabschnitt der Strecke beurteilt werden. Es geht auch um Raumordnung, Standortqualität, Pendlerströme, Wirtschaftskraft und die Anbindung eines ganzen Lebensraums.“
Herrenberg sei eines der größten Mittelzentren entlang der Gäubahn, Endpunkt der S-Bahn-Linie S1, Knotenpunkt Richtung Tübingen, Calw und Nagold sowie zentraler Verkehrspunkt für ein Einzugsgebiet von über 100.000 Menschen. „Ein solches Mittelzentrum vom Fernverkehr abzukoppeln, ist strukturpolitisch falsch und den Menschen im Oberen Gäu nicht vermittelbar“, betont der Landrat. „Von bisher zehn täglichen IC-Verbindungen je Richtung auf wenige Randlagenhalte zu reduzieren, ist keine akzeptable Lösung. Der MEX oder zusätzliche Nahverkehrsangebote können die verkehrliche Bedeutung der Gäubahn für das Obere Gäu nicht gleichwertig ersetzen.“
Der Landkreis verweist darauf, dass beim Runden Tisch mit der Deutschen Bahn, dem Verkehrsministerium, der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg und den betroffenen Kommunen vereinbart wurde, die kommunale Position umfassend zu prüfen und mögliche Alternativen zu den aktuellen Planungen zu erörtern. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.
„Wir erwarten, dass die vereinbarten Gespräche seriös weitergeführt werden und keine Vorfestlegungen über die Medien erfolgen“, sagt Bernhard. „Der Gesprächsfaden ist nicht abgerissen. Aber Vertrauen entsteht nur, wenn alle Beteiligten abgestimmt kommunizieren und die Argumente der betroffenen Akteure in der Region ernst nehmen.“
Der Landkreis Böblingen wird gemeinsam mit Herrenberg, Gäufelden und Bondorf weiter für eine angemessene Fernverkehrsanbindung des Oberen Gäus eintreten. „Wir werden nicht lockerlassen“, so Landrat Bernhard. „Ist ein Fernverkehrshalt einmal weg, ist es erfahrungsgemäß sehr schwer, ihn zurückzubekommen. Deshalb kämpfen wir jetzt für eine Lösung, die der Bedeutung Herrenbergs und des gesamten Oberen Gäus gerecht wird.“




