Grundstein für Klärschlammverwertungsanlage in Böblingen gelegt

Rund 220 Millionen Euro Investition – über 70 Kommunen profitieren – Inbetriebnahme für 2029 geplant

OB Dr. Stefan Belz (kbb-Verbandsvorsitzender), RBB-Geschäftsführer Dr. Frank Schumacher, Landrat Roland Bernhard (RBB-Verbandsvorsitzender)

Auf dem Gelände des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk Böblingen (RBB) ist am Mittwoch (13. Mai) der Grundstein für die neue Klärschlammverwertungsanlage gelegt worden. Damit beginnt der Bau eines lange geplanten Projekts, das für die kommunale Abwasserwirtschaft in der Region einen wichtigen Meilenstein darstellt. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 220 Millionen Euro. Die KfW unterstützt das Projekt mit einem Förderkredit über 96 Millionen Euro.

Die Anlage wird nach Fertigstellung durch den Zweckverband Klärschlammverwertung Böblingen (kbb) gepachtet. Sie wird ab 2029 120.000 Tonnen entwässerten Klärschlamm pro Jahr verarbeiten und verspricht den angeschlossenen Kommunen stabile, marktunabhängige Entsorgungskosten.

Landrat Roland Bernhard als Vorsitzender des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk betont den Nutzen für die RBB-Verbandspartner: „Diese interkommunale Kooperation sucht ihresgleichen in Europa. Die Landkreise des RBB springen den kommunalen Klärwerksbetreibern zur Seite und bieten eine perfekte Lösung zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflicht an. In Kombination mit dem Restmüllheizkraftwerk erreichen wir neben günstigen Preisen für die Zweckverbandsmitglieder auch Stabilität für die Annahmegebühren beim Restmüll. Diese Struktur kommt allen Haushalten im Verbandsgebiet des RBB also doppelt zugute.“

Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz, zugleich Vorsitzender des Zweckverbands kbb, hebt sowohl die Bedeutung für die Kläranlagenbetreiber als auch für die Stadt Böblingen hervor: „Dieses Projekt zeigt, was starke interkommunale Zusammenarbeit leisten kann: Über 70 Verbandsmitglieder gewinnen langfristige Entsorgungssicherheit, während die Stadtwerke in Böblingen und Sindelfingen zusätzliche nachhaltige Fernwärme für ihre Kundinnen und Kunden bereitstellen können. Aus Kreislaufwirtschaft wird konkrete Wertschöpfung für unsere Region. Das ist ökologisch, wirtschaftlich und generationengerecht.“

Der RBB plant und errichtet die Anlage, der kbb pachtet sie. Geschäftsführer Dr. Frank Schumacher erläutert die energetischen Vorteile: „Aus dem maximalen Kontingent von 120.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr lassen sich rund 37.000 Megawattstunden Fernwärme und 6.000 Megawattstunden Strom gewinnen. Die Verbrennung erfolgt in einem Wirbelschichtofen nach neuestem Stand der Technik. Eine echte Neuerung ist der Einsatz einer Großwärmepumpe in Verbindung mit der Verbrennungstechnologie. Sie verleiht der Anlage bei der Energieeffizienz ein Alleinstellungsmerkmal.“

Fragen der Bevölkerung, etwa zu Emissionen, zur Logistik oder zum Forst konnte der RBB frühzeitig bei ausführlichen Informationsveranstaltungen beantworten. Die Anlage entsteht anstelle eines Verwaltungsgebäudes auf dem bestehenden Betriebsgelände; ein Eingriff in den umgebenden Wald erfolgt nicht. Eine moderne Rauchgasreinigungsanlage unterschreitet die gesetzlichen Grenzwerte deutlich.

Durch die Verbindung mit dem Restmüllheizkraftwerk entstehen Synergien bei wichtigen Komponenten wie Werkstatt, Leittechnik, Waage, Energieanbindung und Personal. Die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur verteilt die Fixkosten auf mehr Schultern und hält so die Beiträge stabil. Zugleich sichert die Anlage den Standort Böblingen und schafft gut bezahlte Arbeitsplätze.

Ausgangspunkt der Überlegungen war eine Frage, die 2015 kaum jemand auf dem Schirm hatte: Was geschieht mit dem Klärschlamm, wenn die bisherigen Entsorgungswege wegbrechen? Der Gesetzgeber untersagt zunehmend die Ausbringung auf Äckern, um Boden und Grundwasser zu schützen und Rückstände von Mikroplastik, Medikamenten und Schwermetallen aus der Nahrungskette fernzuhalten. Zugleich entfällt mit der Abschaltung der Kohlekraftwerke die Möglichkeit der Mitverbrennung.

Im September 2017 trat die novellierte Klärschlammverordnung in Kraft. Sie verpflichtet die Betreiber kommunaler Kläranlagen ab 2029 dazu, den im Klärschlamm enthaltenen Phosphor zurückzugewinnen. Als technisch und wirtschaftlich sinnvollster Weg gilt dabei die Monoverbrennung, also die getrennte thermische Verwertung. Aus der reinen Asche lässt sich der Rohstoff Phosphor am wirksamsten gewinnen.

Ein entscheidender Schritt war die Gründung des Zweckverbands Klärschlammverwertung Böblingen (kbb) im November 2020. Heute zählt der Verband über 70 Mitglieder, überwiegend aus dem Landkreis Böblingen sowie aus den Kreisen Calw, Freudenstadt und Rottweil. Auch Mitglieder aus den Kreisen Esslingen und Ludwigsburg sind beigetreten.

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