Zwei Gutachten bestätigen: Gesundheitsstandort Leonberg braucht eine neue Struktur

Versorgungsqualität, Patientensicherheit und Finanzierbarkeit als Maßstab – Landkreis und Klinikverbund wollen gemeinsam mit der Stadt den weiteren Weg gestalten

Landrat Roland Bernhard: „In den wesentlichen Punkten herrscht Übereinstimmung zwischen Stadt und Landkreis!“

Krankenhaus Leonberg

Die Zukunft des Gesundheitsstandorts Leonberg lässt sich auf einer breiten fachlichen Grundlage weiterentwickeln: Zwei unabhängig voneinander beauftragte Gutachten – von Roland Berger im Auftrag des Klinikverbunds Südwest und von hcb im Auftrag der Stadt Leonberg – bestätigen, dass das Krankenhaus in seiner bisherigen Struktur keine dauerhaft tragfähige Perspektive bietet. Beide Untersuchungen weisen in Richtung eines integrierten Versorgungsangebots, das ambulante und stationäre Leistungen bedarfsgerecht verbindet. Die konkrete Ausgestaltung und die langfristige bauliche Lösung sind Gegenstand der weiteren Prüfung und der anstehenden Gremienentscheidungen.

„Mit den beiden unabhängig erstellten Gutachten haben wir eine breite fachliche Grundlage für die anstehenden Entscheidungen“, erklärt Landrat Roland Bernhard. „Beide bestätigen: Der Gesundheitsstandort Leonberg braucht eine neue Struktur. Entscheidend sind für uns Versorgungsqualität, Patientensicherheit und Finanzierbarkeit. Das gemeinsame Ziel von Landkreis und Stadt  ist eine hochwertige, sichere und langfristig tragfähige medizinische Versorgung für die Menschen in Leonberg und der Region. Diese wollen wir gemeinsam mit der Stadt Leonberg und den weiteren Beteiligten entwickeln.“

Neue Versorgung statt Festhalten am Status quo

Veränderte gesetzliche und medizinische Rahmenbedingungen, zunehmende ambulante Behandlungsmöglichkeiten, rückläufige stationäre Fallzahlen, Fachkräftemangel und die wirtschaftliche Lage machen eine strukturelle Neuausrichtung erforderlich. Roland Berger empfiehlt die Umwandlung des heutigen Akutkrankenhauses in eine sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung (SüV) mit bis zu 50 Betten und ergänzenden ambulanten Angeboten zum 1. Januar 2028. hcb beschreibt ein Grundversorgungszentrum mit rund 40 bis 50 Betten, insbesondere für Innere Medizin und Geriatrie, und empfiehlt die vertiefte Prüfung einer Neubauvariante. Die Gutachten zeigen damit eine vergleichbare medizinische Richtung auf, unterscheiden sich aber bei der baulichen Umsetzung.

Notfallversorgung und Erreichbarkeit im Blick

Beide Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass eine stationäre Notfallversorgung rund um die Uhr am Standort Leonberg für die Sicherstellung der Versorgung nicht erforderlich ist. Nach der im hcb-Gutachten dargestellten Erreichbarkeitsanalyse können 100 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 40 Minuten ein benachbartes Krankenhaus erreichen, innerhalb von 30 Minuten sind es 98,8 Prozent. Schwere Notfälle werden bereits heute in spezialisierte Zentren gesteuert; vier von fünf Patientinnen und Patienten der Leonberger Notaufnahme benötigen keine stationäre Behandlung. Für die Raumschaft soll ein bedarfsgerechtes Rettungsdienst- und Versorgungskonzept entwickelt werden. Die konkrete Ausgestaltung ist Teil der weiteren Planung.

Bauliche Lösung ergebnisoffen prüfen

Neben dem Versorgungsmodell ist der perspektivische Investitionsbedarf am bisherigen Krankenhausstandort zu berücksichtigen. hcb hält eine wirtschaftliche Anpassung des Bestandsgebäudes an ein Grundversorgungszentrum nur eingeschränkt für möglich und empfiehlt, einen Neubau zu prüfen. Dessen Wirtschaftlichkeit wäre von entsprechender Investitionsförderung abhängig. Der Landkreis und der Klinikverbund nehmen die Angebote der Stadt zu Flächen auf dem Bosch-Areal und zu einer möglichen Beteiligung konstruktiv auf, ohne damit bereits eine Standort- oder Bauentscheidung zu treffen. Eine Transformation zunächst im Bestand und eine spätere Neubauperspektive müssen sich nicht ausschließen. Auch mögliche Fördermittel aus dem Krankenhaus-Transformationsfonds werden geprüft.

Gemeinsamer Austausch, Entscheidungen in den zuständigen Gremien

In einem ersten Schritt wollen nun Landkreis, Stadt und Klinikverbund die Annahmen und Empfehlungen beider Gutachten gemeinsam mit den Gutachtern erörtern. Eine entsprechende Einladung des Landrats an Oberbürgermeister Degode ist bereits erfolgt. Dabei geht es insbesondere um das künftige Leistungsangebot, die bauliche Perspektive, Finanzierung und Förderung sowie einen realistischen zeitlichen Entwicklungspfad. „Ich begrüße ausdrücklich die Bereitschaft der Stadt, die Entwicklung des Gesundheitsstandorts aktiv zu unterstützen“, betont Landrat Bernhard. „Die grundsätzliche Zielrichtung verbindet uns; über konkrete Ausgestaltung und Umsetzung werden wir gemeinsam sprechen“.

Der Leonberger Gemeinderat hat sich am 3. November mit dem städtischen Gutachten befasst. Der Aufsichtsrat des Klinikverbunds Südwest berät am 25. November 2026; anschließend stehen im Dezember Beratungen und Entscheidungen in den Kreistagen der Trägerlandkreise Böblingen und Calw zur erforderlichen Anpassung der Medizinkonzeption 2030 an. Vorbehaltlich entsprechender Beschlüsse wird eine Umwandlung zum 1. Januar 2028 als möglicher Umsetzungstermin betrachtet. Auch für die Beschäftigten sollen im weiteren Prozess Orientierung und verlässliche Perspektiven geschaffen werden. Nach den Entscheidungen wollen die Beteiligten über die Ergebnisse und die nächsten Schritte informieren.

(Erstellt am 04. November 2026)

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