Landkreis Böblingen stellt umfassenden Hitzeaktionsplan zum Schutz besonders gefährdeter Menschen vor

Kommunen erhalten Maßnahmenpläne für elf Bereiche

Landrat Roland Bernhard stellt mit den Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes den Hitzeaktionsplan des Landkreises Böblingen vor, v.l.n.r.: Kahtrin Schulze, Leiterin Dr. Anna Leher, Landrat Bernhard, Dr. Susanne Schwarz

Der Klimawandel macht nicht Halt vor dem Landkreis Böblingen. Hitze ist eines der Wetterphänomene, das seit Jahren immer häufiger und extremer auftritt. Prognosen gehen von einer Fortsetzung dieser Entwicklung aus. Der Landkreis Böblingen wappnet sich mit einem Hitzeaktionsplan (HAP) gegen die vielfältigen Folgen. Nun wurde er der Öffentlichkeit vorgestellt. Das umfangreiche Werk ist das bisher größte Projekt des Gesundheitsamts Böblingen im Bereich des gesundheitlichen Hitzeschutzes und richtet sich an Städte, Gemeinden, Einrichtungen und Organisationen im gesamten Landkreis.

„Wir erfüllen mit diesem Hitzeaktionsplan bereits jetzt die gesetzlichen Vorgaben des Bundes und des Landes Baden-Württemberg – Jahre bevor diese verbindlich werden. Nicht weil wir müssen, sondern weil wir es für richtig halten", betonte Landrat Roland Bernhard bei der Vorstellung. Das Bundes-Klimaanpassungsgesetz und das novellierte Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg verpflichten Landkreise, bis 2034 kommunale Klimaanpassungskonzepte zu erstellen, deren Bestandteil Hitzeaktionspläne sein können.

Die Jahresmitteltemperatur im Landkreis Böblingen ist gegenüber der Referenzperiode 1961 bis 1990 um 1,4 Grad Celsius gestiegen. Im Jahr 2023 lag sie sogar 2,7 Grad über dem langjährigen Mittel. Die Anzahl langandauernder Hitzewellen nimmt seit Jahrzehnten stetig zu. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass allein in den Sommern 2023 und 2024 rund 5.900 Menschen in Deutschland an den Folgen hoher Temperaturen verstarben.

Der Hitzeaktionsplan enthält konkrete Maßnahmenpläne für elf Bereiche, in denen besonders gefährdete Menschen betreut und versorgt werden, darunter auch Kindergärten, Schulen, Vereine und in der Pflege. Ergänzt werden die Maßnahmenpläne durch ein Kapitel zum Schutz von Menschen mit Behinderung sowie durch Praxisbeispiele aus verschiedenen Bereichen.

Der Plan wurde in einem mehrstufigen Prozess gemeinsam mit Vertretern der betroffenen Einrichtungen und Organisationen entwickelt. Im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung im März 2025 wurden Ideen und Bedarfe gesammelt. In den folgenden Monaten erarbeitete das Gesundheitsamt die Maßnahmenpläne, die anschließend in Workshops mit den jeweiligen Interessengruppen geprüft und ergänzt wurden.

„Der Plan folgt einem klaren Prinzip: Wir unterstützen – Sie entscheiden", erläuterte Landrat Bernhard das Konzept. Die Maßnahmenpläne dienen als Vorlagen, aus denen Einrichtungen und Gemeinden mit überschaubarem Aufwand eigene, maßgeschneiderte Hitzeaktionspläne erstellen können. „Das spart Zeit und Personal und stellt sicher, dass der Schutz dort ankommt, wo er gebraucht wird."

Als Referent ordnete Dr. Robin Maitra, Vorstandsmitglied der Landesärztekammer Baden-Württemberg, den Hitzeaktionsplan aus ärztlicher Sicht ein. Carina Rau vom Landesgesundheitsamt beleuchtete die Rolle der Gesundheitsämter bei der Erstellung landkreisweiter Hitzeaktionspläne.

Lisa Bartholomä aus der Stabsstelle Klimaschutz und nachhaltige Kreisentwicklung des Landratsamts stellte die Einbettung des Plans in die Entwicklung der weiteren kommunalen Klimaanpassungskonzepte dar. Dazu zählen das Projekt KlimaBB zur strategischen Klimaanpassung in den Kommunen, das Strukturgutachten zur Wasserversorgung, Maßnahmen im Bevölkerungsschutz, der klimaresiliente Waldumbau, die Beratung der Landwirtschaft sowie der Schutz der Siedlungen vor Starkregen und Überschwemmungen.

Dr. Susanne Schwarz vom Gesundheitsamt Böblingen präsentierte den Plan im Detail. Deutlich wurde dabei, dass dies keine abstrakte Sammlung ist, sondern ganz konkret an den Alltag der jeweiligen Einrichtungen anknüpft – von der Trinkerinnerung in der Kita über angepasstes Medikamentenmanagement im Pflegeheim bis zu Abbruchkriterien für Wettkämpfe und Übungseinheiten im Sport.

Neben dem Hitzeaktionsplan bietet das Gesundheitsamt Böblingen bereits seit 2023 verschiedene Instrumente zum gesundheitlichen Hitzeschutz an: den Informationsflyer „Tipps für heiße Zeiten", der von den Gemeinden individualisiert werden kann, das Hitzeportal mit Informationen für die Bevölkerung, die digitale Cool Map mit kühlen Orten im Landkreis sowie einen regelmäßigen Newsletter zu Klima und Gesundheit.

Der Hitzeaktionsplan ist ab sofort über das Hitzeportal des Gesundheitsamts Böblingen abrufbar unter: www.lrabb.de/hitzeportal
Die Cool Map des Landkreises mit kühlen Orten ist erreichbar unter: coolmap.lrabb.de

Kontakt

Landratsamt Böblingen
Pressestelle
Parkstraße 16
71034 Böblingen

pressestelle@lrabb.de

Simone Hotz

Simone Hotz
Dez 4 Bauen und Umwelt, Regionalentwicklung
07031 663-1204
s.hotz@lrabb.de

Rebecca Kottmann

Rebecca Kottmann
Dez 1 Steuerung und Service, Dez 2 Jugend und Soziales
07031 663-1482
r.kottmann@lrabb.de

Benjamin Lutsch

Benjamin Lutsch
Dez 3 Verkehr und Ordnung, AWB, Restmüllheizkraftwerk
07031 663-1619
b.lutsch@lrabb.de

Elena Kopp

Elena Kopp
Social Media
07031 663-3424
e.kopp@lrabb.de