Edeltraud und Christof Schill wurden mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt

Landrat Bernhard: „Außergewöhnlich nachhaltiges und völkerverbindendes Engagement für die Opfer der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl“

Übertragung per Livestream

Für ihr außergewöhnlich nachhaltiges und völkerverbindes Engagement sowie ihr Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mensch und Natur wurden Edeltraud und Christof Schill nun von höchster Stelle geehrt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem Holzgerlinger Ehepaar das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Landrat Roland Bernhard überreichte ihnen die Auszeichnung am Montag, den 26. April, bei einem Festakt im kleinen Rahmen in der Aula des Kaufmännischen Schulzentrums in Böblingen und würdigte den vorbildlichen Einsatz. Bürgermeister Ioannis Delakos gratulierte im Namen der Stadt Holzgerlingen. Musikalisch umrahmt wurde die Auszeichnung vom Ensemble Emiliana. Aufgrund der Corona-Lage wurde die Veranstaltung per Livestream übertragen.

„Mit großem persönlichen Einsatz und Entbehrungen engagieren sich Edeltraud und Christof Schill nun schon seit über 22 Jahren an vorderster Front für die Strahlenopfer in Weißrussland. Ihr Engagement hat geholfen, das Leid zu lindern und trägt zur Völkerverbindung bei“, so Landrat Roland Bernhard in seiner Laudatio.

Die Überreichung des Bundesverdienstkreuzes erfolgte am Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Am 26. April 1986 ereignete sich die Katastrophe und hinterließ ein auf Jahrtausende unfruchtbares, krankmachendes Land. 116.000 Personen mussten evakuiert, weitere 240.000 Personen umgesiedelt werden.

Seit 1998 engagieren sich Christof Schill und seine Frau Edeltraud Schill in dem gemeinnützigen Verein „Heim-statt Tschernobyl“. Dieser von Dietrich und Irmgard von Bodelschwingh 1991 gegründete Verein kümmert sich um die Umsiedlung von Strahlenopfern und damit zusammenhängend um den Bau neuer Wohnhäuser und Gemeinschafteinrichtungen in etwa 500 Kilometer Entfernung vom Katastrophengebiet. In Work Camps, an denen seit der Gründung des Vereins mehr als 1.500 freiwillige Helfer aus Deutschland und Weißrussland teilgenommen haben, wurden gemeinsam 58 Häuser in Holz-Lehmbau in den Gemeinden Drushnaja und Stari Lepel erstellt. Daneben entstanden zwei ärztliche Ambulanzen und zwei Begegnungshäuser. Zur Energieversorgung und als Zeichen gegen Atomkraft wurden zusammen mit der weißrussischen Partnerorganisation IGGV Öko Dom und deren Tochterorganisation Öko Dom Stroj drei Windkraftanlagen bei Drushnaja errichtet. Außerdem wurde die Produktion von Schilfmatten aufgenommen, um Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen und um gleichzeitig Dämmplatten für den Bau der Häuser zur Verfügung zu haben.

„Hilfe zur Selbsthilfe“, „Nachhaltigkeit“ und „Umweltschutz“ sind dabei für Edeltraud und Christof Schill wichtige Faktoren. Christof Schill übernimmt bei allen Projekten mit großem Fachwissen und unter neuesten ökologischen Gesichtspunkten die technische Leitung. Edeltraud Schill leitet seit 2012 den Verein „Heim-statt Tschernobyl“ als Bundesgeschäftsführerin von Holzgerlingen aus uns koordiniert damit etwa 150 Mitglieder aus ganz Deutschland. Bei Work Camps übernimmt sie die Gesamtleitung vor Ort. Eine zentrale Aufgabe, die Edeltraud und Christof Schill jedes Jahr zufällt, ist die Organisation von Work Camps beim Bau neuer Wohnhäuser, bei der Sanierung und Modernisierung der ersten Unterkünfte. Nach nun 35 Jahren geht es nicht mehr nur darum, Menschen umzusiedeln, stattdessen werden alte Häuser in Holzbauweise nach neuesten Methoden der Wärmedämmung mit Schilfmatten und Lehm verputzt. Das Motto der alljährlich stattfindenden Work Camps heißt heute „Erhaltung und Verbesserung“ der Wohnbedingungen in Drushnaja und Lepel. So wurde auf Initiative von Christof Schill hin, eine Schilfkläranlage in dem Umsiedler-Dorf Drushnaja als nachhaltige Infrastrukturverbesserung in Planung genommen. Dieses Projekt gilt als Musteranlage für den ländlichen Raum in Weißrussland. Nach zweijähriger Bauzeit wurde zudem mitten im Zentrum von Lepel eine Behindertenwerkstatt eröffnet als Leuchtturmprojekt im ganzen Land.

Ganz nebenbei wurde und wird bei den Arbeiten in Weißrussland ein intensiver Austausch zwischen den noch lebenden ehemaligen Kriegsgegnern des Zweiten Weltkriegs in Gang gesetzt und somit praktische Versöhnungsarbeit und Völkerverständigung geleistet. Aber auch unter der jüngeren Generation ergeben sich immer wieder wertvolle Freundschaften.

„Die Namen Edeltraud und Christof Schill sind geradezu ein Synonym für gelebte Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. Dafür danke ich Ihnen“, betonte Landrat Bernhard abschließend in seiner Laudatio.

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(Erstellt am 27. April 2021)

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