Der höchste Berg Europas – der deutsche Müllberg

Abfallvermeidungsstrategien sind unverzichtbar

Quelle: LIFE e.V.

Fast 6.000 Meter hoch über dem Meeresspiegel würde der jährlich anfallende häusliche Müll in Deutschland aufragen – gestapelt auf der Fläche eines Fußballfeldes. Zu diesem Ergebnis kommt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Im Landkreis Böblingen will man einen Beitrag leisten, dagegen etwas zu tun.Fast 6.000 Meter hoch über dem Meeresspiegel würde der jährlich anfallende häusliche Müll in Deutschland aufragen – gestapelt auf der Fläche eines Fußballfeldes. Zu diesem Ergebnis kommt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Im Landkreis Böblingen will man einen Beitrag leisten, dagegen etwas zu tun.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb Böblingen (AWB) hat Ende 2020 im Umwelt- und Verkehrsausschuss ein Abfallvermeidungskonzept vorgestellt. Mit diesem Konzept möchte er in Zukunft Maßnahmen entwickeln und durchführen, die zu einer Verringerung des Abfallaufkommens beitragen sollen. Damit kommt der AWB dem Auftrag der europäischen Abfallrahmenrichtlinie und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz nach, denn die Abfallvermeidung steht an oberster Stelle der fünfstufigen Abfallhierarchie. Dazu ist es notwendig, die Bevölkerung zu sensibilisieren und ihr verschiedene Möglichkeiten der Abfallvermeidung näherzubringen.

„Der AWB ist stets offen für neue Ideen und entwickelt auch seine bestehenden Konzepte zur Vermeidung von Abfällen immer weiter“, sagt Martin Wuttke, der Erste Werkleiter. So habe man im Landkreis Böblingen in der Vergangenheit bereits einiges realisieren können. „Darüber möchten wir unsere Bürgerinnen und Bürger informieren, denn nur wenn die Menschen wissen, welche Angebote es in ihrer Nähe gibt, können sie diese auch nutzen“, betont Wuttke.

Zum 03. Juli ist das Verbot von ausgewählten bestimmten Plastikgegenständen in Kraft getreten. Mit der Einwegkunststoffverbotsverordnung kommt Deutschland dem Verbot von Einmalkunststoffprodukten nach, das die EU bereits 2019 beschlossen hat. „Im Interesse der Abfallvermeidung ein wichtiger, wenn auch nur kleiner Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert Matin Wuttke die neue Regelung. Einwegplastikprodukte wie zum Beispiel Besteck und Teller, Trinkhalme oder Wattestäbchen sowie Produkte aus Kunststoffen, die sich in besonders schwer zu entsorgende Mikropartikel zersetzen, aber nicht weiter abgebaut werden, sollen auf diese Weise aus dem Handel verschwinden. Zudem sollen weiterhin erlaubte Einwegprodukte mit Plastikbestandteilen wie beispielsweise Hygieneprodukte oder To-go-Becher gekennzeichnet werden. So sollen Verbraucher über die negativen Folgen von Plastikabfällen für die Umwelt und die richtige Entsorgung aufgeklärt werden.

Mit der ebenfalls Anfang Juli dieses Jahres beschlossenen Änderung des Verpackungsgesetzes sollen ab 2023 Restaurants, Bistros und Cafés, die Getränke und Essen zum Mitnehmen anbieten, auch Mehrwegverpackungen bereithalten. Damit solche Verpackungsabfälle so bald wie möglich vermieden werden, wird der AWB die Gastronomiebetriebe im Landkreis Böblingen in diesem Herbst zu einem Erfahrungsaustausch in Form eines virtuellen runden Tisches eingeladen. Dabei wird es unter anderem darum gehen, wie die Attraktivität von Mehrweggefäßen für Essen zum Mitnehmen erhöht werden kann.

Mit gutem Beispiel voran ging der Abfallwirtschaftsbetrieb bereits 2019 und führte einen Mehrweg-Pfandbecher im Landkreisdesign ein. Kunden können Heißgetränke in vielen Bäckereien und Cafés in einem mehrfach verwendbaren Becher mitnehmen. Dieser wird anschließend nicht weggeworfen, sondern einfach wieder abgegeben. So trägt jeder Nutzer des BB-Pfandbechers dazu bei, dass weniger Müll entsteht. Nähere Informationen zum BB-Pfandbecher und die Anbieter im Landkreis gibt es hier

In einigen Städten und Gemeinden gibt es mit den Geschirrmobilen schon seit langem attraktive Alternativen zum Einweggeschirr. Bei Bedarf können Veranstalter von Festen die Geschirrmobile ausleihen unter www.awb-bb.de/abfallfreitipps

Bis Ende Juli machen außerdem verschiedene Gaststätten im Landkreis Böblingen bei den bundesweiten Aktionstagen „Essen in Mehrweg“ mit. Das Prinzip ist einfach: Die Kunden holen ihr Essen nicht in Einweg-Verpackungen ab, sondern in Pfandbehältern. Für jede in einer Gaststätte gekaufte Speise erhalten sie einen Stempel auf ihrem Bonuskärtchen. Wer acht Essen in Pfandbehältern mitgenommen hat, erhält vor Ort ein kleines Dankeschön, zum Beispiel ein Heißgetränk. Die Bonuskärtchen sind bis zum 31. Juli 2021 gültig. Weitere Informationen sowie eine Liste der teilnehmenden Gaststätten sind hier veröffentlicht.

Anfang Mai dieses Jahres hat der AWB zusammen mit der Renninger Initiative HERZWERK das zweite Verschenk-Häusle im Landkreis eingeweiht. Seitdem können die Bürger auf dem Wertstoffhof in Böblingen-Hulb und auf dem Wertstoffhof in Renningen-Malmsheim gut erhaltene Gegenstände abgeben, anstatt sie wegzuwerfen. Dort kann jeder Sachen hinbringen, die er nicht mehr benötigt – und ein anderer freut sich darüber, weil er genau danach gesucht hat. Das verlängert die Nutzungsdauer, und idealerweise wird dem einen oder anderen bewusst, dass gebrauchte Gegenstände nicht minderwertig sind, sondern damit Abfälle vermieden werden können. In die Verschenk-Häusle gebracht werden können zum Beispiel Bücher, CDs, Spiele und Kuscheltiere – aber auch Geschirr oder Kinderfahrräder. Elektrogeräte und Altkleider werden nicht entgegengenommen. Bis zu drei Gegenstände können aus dem Verschenk-Häusle mitgenommen werden. Verschenk-Häusle sind auch auf weiteren Wertstoffhöfen im Landkreis geplant.

Der AWB setzt sich dafür ein, dass im Landkreis Böblingen möglichst wenig Lebensmittel verschwendet werden. Deswegen unterstützt er Initiativen, die Nahrungsmittel vor der Mülltonne retten. An vier vom Abfallwirtschaftsbetrieb geförderten sogenannten „Fairteiler“-Standorten im Landkreis können noch verzehrbare Lebensmittel abgegeben und kostenfrei mitgenommen werden. Jedem Standort spendiert der AWB ein sogenanntes „Starterpaket“, bestehend aus insgesamt 18 Boxen. Darin können Nahrungsmittel gelagert und transportiert werden. Ehrenamtliche Retter holen die Lebensmittel zum Beispiel bei Supermärkten oder Bäckereien ab. Auch Privatpersonen können übriggebliebene Nahrungsmittel abgeben – allerdings keine leicht verderblichen Produkte wie zum Beispiel rohes Fleisch. Bisher hat der AWB den „LebensmitteLpunkt“ in Sindelfingen, die Initiative „Geben und Nehmen – Lebensmittel retten in Aidlingen“, den Standort in der Weil der Städter Straße 49a in Renningen sowie den „Teil:Ort“ am Wasserturm in Goldberg mit einem Boxen-Paket unterstützt. Weitere Informationen und alle Standorte gibt es unter: www.foodsharing.de. Eine vorherige Kontaktaufnahme kann empfehlenswert sein, da einige Fairteiler eventuell eine Sommerpause machen.

Zudem hat der AWB den AWARULI-Kochkurs gegen Lebensmittelverschwendung ins Leben gerufen. AWARULI steht für „Alles, WAs RUmLIegt“. Bei diesem Kochkurs werden Lebensmittelreste aus dem Kühl- oder Vorratsschrank zu überraschenden Gerichten verarbeitet. Der erste Kurs fand online am 13. Juli 2021 statt, der zweite ist als Präsenz-Kochkurs am 29. September geplant.

Abfallvermeidung heißt Ressourcenschonung: Verlängern der Lebensdauer von Produkten, Reparaturen statt Entsorgung oder ausleihen statt kaufen. Dafür gibt es die Online-Plattform www.verschenkenundmehr.de. „Wir wollen die Konsequenzen eines unbedachten Umgangs mit Produkten und der Umwelt aufzeigen und die Bürgerinnen und Bürger im Kreis dazu motivieren, anders zu handeln, sich zum Beispiel gegen kurzlebige Produkte oder vielleicht sogar für den Konsumverzicht zu entscheiden“, beschreibt der Erste Werkleiter Martin Wuttke die Ziele des Abfallwirtschaftsbetriebs.

Bei Fragen können sich Interessierte an das Kundencenter des AWB wenden, Telefon: 0 70 31 / 6 63 -15 50 oder per E-Mail an abfallinfo@lrabb.de.

Informationen rund um den AWB und alle aktuellen Themen gibt es hier: www.awb-bb.de.

Kontakt

Benjamin Lutsch
Dez 3 Verkehr und Ordnung, AWB, Restmüllheizkraftwerk
Tel: 0 70 31 / 663 - 16 19
E-Mail: b.lutsch@lrabb.de

Simone Hotz
Dez 4 Bauen und Umwelt, Regionalentwicklung
Tel: 0 70 31 / 663 - 12 04,
E-Mail: s.hotz@lrabb.de

Rebecca Kottmann
Dez 1 Steuerung und Service, Dez 2 Bildung und Soziales
Tel: 0 70 31 / 663 - 14 82
E-Mail: r.kottmann@lrabb.de

Melitta Thies
Gleichstellung
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