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Zeichen setzen für ein Leben ohne Gewalt

Zum Internationalen Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen“ am 25. November

Information über Beratung und Hilfe

Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und / oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner.

Häusliche Gewalt, Partnerschaftsgewalt ist keine Privatsache, gleichgültig ob sie im eigenen Zuhause oder im öffentlichen Raum stattfindet. Häusliche Gewalt geht uns alle an, sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betont Melitta Thies, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Böblingen. Zusammen mit AMILA – Beratungsstelle bei Häuslicher Gewalt im Landkreis Böblingen und dem Referat Prävention des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, das auch für den Landkreis Böblingen zuständig ist, informiert sie anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November über Hilfsangebote und unterstreicht die Notwendigkeit eines nachhaltigen Gewaltschutzes.

Für das Jahr 2019 weist die Polizeiliche Kriminalstatistik 264 polizeiliche Einsätze wegen häuslicher Gewalt im Landkreis Böblingen auf. In 99 Fällen sprach die Polizei gegenüber der gewalttätigen Person einen Wohnungsverweis aus, denn es gelte der Interventionsgrundsatz „wer schlägt, der geht“, unterstreicht Karin Stark, Präventionsbeauftragte des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Im Corona-Jahr 2020 sei ein leichter Anstieg der Einsätze zu verzeichnen, auch müssten vermehrt Wohnungsverweise ausgesprochen werden.

Nadine Walch-Krüger, Beraterin bei AMILA – Beratungsstelle bei Häuslicher Gewalt im Kreis Böblingen berichtet von einer Zunahme an Beratungskontakten nach dem ersten Corona-Lockdown. Es habe bis zu acht Neuanfragen pro Woche gegeben, davor seien es im Durchschnitt drei neue Klientinnen in der Woche gewesen, so die erste Bilanz unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf eine Studie der Technischen Universität München vom Frühjahr 2020, die Aussagen zu den Risikofaktoren für das Gewaltgeschehen in Zeiten von Corona und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen gemacht habe. So steige das Risiko von Gewalt an Frauen und Kinder deutlich an, wenn Frauen in Heimquarantäne waren. Auch finanzielle Sorgen, beispielsweise den Arbeitsplatz zu verlieren, können das Risiko erhöhen. Ebenso eine schlechte psychische Gesundheit, Depression und Ängste. Die Wissenschaftlerinnen hätten festgestellt, dass in Haushalten mit noch jungen Kindern unter zehn Jahren es häufiger zu Gewalt an Frauen und Kindern komme. Auch sei das Konflikt- und Gewaltpotential höher in Haushalten, in denen einer der beiden Partner in Kurzarbeit war oder den Arbeitsplatz aufgrund von Corona verloren hatte.

Hilfsangebote nutzen!
Damit die bestehenden Hilfsangebote besser bekannt werden und Betroffene zeitnah Unterstützung und Hilfe erfahren, hat die Gleichstellungsbeauftragte Melitta Thies einen SOS-Flyer aufgelegt, der kreisspezifische und überregionale Anlaufstellen bei häuslicher und sexualisierter Gewalt sowie in Konfliktsituationen auflistet. Er ist abrufbar unter: www.lrabb.de/Gleichstellung

Flagge zeigen für Frauenrechte!
Frei leben ohne Gewalt – diese Botschaft transportieren die Aktionsfahnen zum 25. November vor dem Landratsamt in die Öffentlichkeit. „Wir wollen damit ein solidarisches Zeichen für Frauenrechte setzen“, so die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Böblingen.

Hintergrund Aktionstag:
Rund um den 25. November, dem Internationalen Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen“, werden weltweit Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen gesetzt. Der von den Vereinten Nationen offiziell anerkannte Gedenktag geht zurück auf die Ermordung der drei Schwestern Mirabal, die am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom Geheimdienst nach monatelanger Folter getötet wurden. Der Mut dieser Frauen gilt als Symbol, um sich gegen Gewalt einzusetzen. Die Botschaft lautet: Ohne Gewalt leben – Sie haben ein Recht darauf!

(Erstellt am 24. November 2020)

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