Sie befinden sich: Aktuelles · Presse

Landrat Bernhard unterzeichnet Vorzeigeprojekt

Tunesisches Engagement mit Know-How aus dem Landkreis Böblingen

Wertstoffhof als Ergebnis einer ersten erfolgreichen Projektarbeit eröffnet

Landrat Roland Bernhard und Bürgermeister Ammar Mabrouk unterzeichnen den Partnerschaftsvertrag

Für mich geht heute ein Traum in Erfüllung“, schwärmte der Tunesier Ali El Gragba, Präsident des Umweltvereins für Nachhaltige Entwicklung. Fast auf den Tag genau drei Jahre nach dem ersten Besuch einer Delegation aus dem Landkreis Böblingen wurde am Rand der Stadt El Guettar ein Wertstoffhof eröffnet, in dem künftig Kunststoff, Kartonagen und Dosen getrennt gesammelt werden; angestoßen unter anderem von Gragbas Umweltverein. Eine Gelegenheit, die man zum Anlass nahm, eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt im Süden Tunesiens und dem Landkreis Böblingen zu unterzeichnen.

Wir wollen die bisherige Partnerschaft vertiefen und auf andere Handlungsfelder ausdehnen“, so Landrat Bernhard. „Der Wertstoffhof und die dahinter steckende Kooperation ist ein Vorzeigeprojekt, das Vorbildfunktion hat.“ Man begegne sich auf Augenhöhe und profitiere gegenseitig. „Das Engagement aller Beteiligten hat mich von Anfang an beeindruckt und es ist der Garant für den Erfolg“, so Bernhard. Es gelte jetzt, hinzuhören, was man sich für die Zukunft weiter wünscht in El Guettar und zu sehen, wo der Landkreis Böblingen unterstützen könne. Der jetzt eröffnete Wertstoffhof ist der erste kommunale Wertstoffhof. Das sei ein wichtiges Zeichen vor dem Hintergrund der Bemühungen um den Aufbau einer kommunalen Selbstverwaltung, unterstrich der Landrat.

v.r.: Landrat Roland Bernhard, AWB-Werkleiter Wolfgang Bagin, Wolfgang Hörmann (AWB) weihen einen Wertstoffhof in El Guettar nach Böblinger Vorbild ein

Seit 2016 besteht zwischen dem Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Böblingen und der tunesischen Kommune El Guettar eine Projektpartnerschaft im Rahmen des Kommunalen Wissenstransfers Maghreb-Deutschland (KWT). Diese Partnerschaft ist Teil des Programms ComUn, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) organisiert wurde, mit dem Ziel der Stärkung kommunaler Entwicklung und Demokratie im Maghreb. Es geht darum, den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen algerischen, tunesischen und marokkanischen Städten mit deutschen Kommunen anhand der gemeinsamen Durchführung von städtischen Projekten zu fördern. Ziel ist der Aufbau kommunaler Selbstverantwortung und kommunaler Dienstleistungen in den Maghreb-Staaten.

Das Abfallprojekt des Landkreises Böblingen mit El Guettar gilt bundesweit als gelungenes Leuchtturmprojekt. Die Idee dahinter wurde aus der Mitte der Gesellschaft angestoßen; sie kam aus den Reihen des schon genannten Umweltvereins bzw. der Zivilgesellschaft, die dem später gewählten Kommunalparlament vorausging. „Echte Basisdemokratie“, befindet Landrat Bernhard, der diesen „bottom-up-Ansatz“ lobt. „Die Akzeptanz und das Interesse in der Bevölkerung sind da, denn es sind ihre Ideen und ihr Bestreben nach Änderung, die in dieser dreijährigen Arbeit umgesetzt wurden.“

Ein Plakat erklärt auf Arabisch wie die Wertstoffe sortiert werden

Der Grundstein für die künftige Mülltrennung ist gelegt. Im gesamten Stadtgebiet werden Flyer verteilt mit Informationen, was wo zu entsorgen ist. „Macht mit“, steht dort zu lesen. Und interessant ist auch der Anreiz, den man sich ausgedacht hat. Wer Wertstoffe abgibt, bekommt einen Bon, auf dem das Gewicht verzeichnet ist. Am Ende des Jahres kann gegen Abgabe der Bons, d.h. also mit dem Nachweis des Gesamtgewichts der abgegebenen Wertstoffe die Gemeindesteuer reduziert werden. Der nötige Verwaltungsablauf funktioniert zunächst manuell, soll aber auf eine mobile Applikation umgestellt werden. Für deren Entwicklung übergab der Landkreis Böblingen im Rahmen der Einweihung einen Scheck in Höhe von 2.000 Euro.

Weitere Projekte sollen folgen – im Bereich der Abfallwirtschaft ist die Kompostierung ein nächstes großes Thema. Denn der Anteil der kompostierbaren Abfälle im Müll ist aktuell hoch. Angedacht sind aber auch Handlungsfelder wie Bildung, Tourismus und die Förderung des lokalen Kunsthandwerks. „Ich freue mich auf weitere Projekte“, betonte Bernhard. „Wo alle so an einem Strang ziehen, sind alle Bemühungen gut investiert.“

(Erstellt am 11. Dezember 2019)

Zugeordnete Tags