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Der neue Kreisapfelsaft ist abgefüllt

Ein genussvoller Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesenlandschaft im Landkreis Böblingen

Es ist ein Pressetermin, um anzustoßen. Es gilt, die Gläser zu heben, für ein herausragendes Projekt, das seit über 20 Jahren erfolgreich läuft. „Die Geschichte des Kreisapfelsafts ist eine erfolgreiche Geschichte“, betonte Martin Wuttke, stellvertretender Landrat im Landkreis Böblingen. „Wir bieten ein regional erzeugtes Produkt, unterstützen die, die es herstellen und damit unsere Streuobstwiesen pflegen, und tragen so zum Erhalt der Kulturlandschaft bei.“

Der Jahrgang aus der Streuobsternte des vergangenen Sommers ist abgefüllt. Die Ernte war mäßig. „Nach der großen Ernte im letzten Jahr kam es dieses Jahr zu einem schlechten Blütenansatz; die andauernde Trockenheit hat die Situation dann zusätzlich verschärft“, so Manfred Nuber, Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Landkreis Böblingen. Von den rd. 470 Obstbauern, die aktuell beim Landkreis unter Vertrag sind und deren Obst für den Kreisapfelsaft gepresst wird, kamen insgesamt rd. 150 Tonnen Obst zusammen. Das gibt rd. 110.000 Liter Kreisapfelsaft.

Im Verkaufsregal behauptet sich dieser im breiten Segment der Fruchtsäfte. Nach vielen Jahren, in denen der Absatz stetig anstieg, ist er im laufenden Jahr 2019 leider etwas gesunken. „Der Rückgang entspricht aber dem allgemein zurückgehenden Marktanteil von Apfelsaft im Fruchtsaftbereich“, so Martin Wuttke. „Wir müssen immer weiter das Bewusstsein schüren, dass jeder mit dem Kauf des Kreisapfelsafts einen fairen Preis an die Erzeuger zahlt und damit obendrein die eigene Kulturlandschaft unmittelbar unterstützt und schützt.“

Aktuell sind rd. 1.000 Obstgrundstücke beim Landkreis Böblingen unter Vertrag, was einer Fläche von rd. 190 Hektar oder ungefähr 8.700 Streuobstbäumen entspricht. Die Erzeuger erhalten für das Obst einen Aufpreis von 7,50 Euro / Doppelzentner, den der Verbraucher über den Preis mit finanziert. Sie verpflichten sich im Gegenzug, ihre Streuobstwiesen nachhaltig und ökologisch zu pflegen und so langfristig zu erhalten. In diesem Jahr wäre der marktübliche Preis rd. 8 Euro / Doppelzentner gewesen; im Rahmen der Landkreis-Apfelsaftinitiative wurden 15,50 Euro / Doppelzentner bezahlt. Geld, das die Erzeuger für ihre Naturschutzleistung erhalten und das über die Idee hinter dem Projekt Kreisapfelsaft erwirtschaftet wird. Eine Erfolgsgeschichte, ohne Frage. Denn, so erklärt Fachberater Nuber: „Ohne vernünftigen Ertrag geht die Wertschätzung verloren und die Bewirtschafter verlieren die Freude an ihrer Arbeit.“

Ein wichtiger Nebeneffekt des Ganzen, der in der jüngsten Vergangenheit immer mehr zum Thema wird, ist auch der Erhalt der Artenvielfalt. In den Streuobstwiesen finden zahlreiche Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum - Bienen, Schmetterlinge und viele andere Kleinsttiere, und wo diese sind, finden sich auch zahlreiche Vogelarten, die sich wiederum von ihnen ernähren. „Streuobstwiesen sind schon grundsätzlich sehr artenreich, man kann diese Artenvielfalt aber durch ergänzende Maßnahmen noch steigern“, erklärt Manfred Nuber. So müsse beispielsweise ein abgestorbener Baum nicht sofort gerodet werden. „Als sogenanntes stehendes Totholz kann er noch etliche Jahre vielen Insekten als Wohnung und Nahrungsquelle dienen.“ Weitere Maßnahmen wären Reisig- oder Steinhaufen, Insektenhotels und Vogelnistkästen.

Den leckeren Saft von diesem Jahr gab es natürlich auch noch. Streuobstkönigin Nina Krippentz lud charmant dazu ein. Treffpunkt war in diesem Jahr die Streuobstwiese der Familie Beisswenger zwischen Schafhausen und Weil der Stadt. Frank Beisswenger liefert seit vielen Jahren für den Kreisapfelsaft ab und freut sich über den fairen Erzeugerpreis dafür. Mit dem Baywa-Markt in Weil der Stadt konnte auch eine neue Annahmestelle gefunden werden, die in günstiger Entfernung liegt. Als Vertreter der Verkaufsstellen war Reinhold Frech von Getränke Maile in Weil der Stadt mit dabei.

Und so stieß man einmal mehr darauf an, gemeinsam genussvoll Naturschutz betreiben zu können. „Der Dank gilt allen Erzeugern, Verarbeitern und Verbrauchern, die mit ihrem Engagement und ihrem bewussten Einkauf einen aktiven Beitrag zum Erhalt dieser unschätzbaren Biotope leisten“, so Martin Wuttke. Der Kreisapfelsaft ist in vielen Getränkehandlungen und Einzelhandelläden erhältlich; im Zweifel sollte man nach ihm fragen. Es gibt ihn in Klar und Naturtrüb, in verschiedenen Mischungen und auch als Schorle in der Glas- und auch in einer PET-Flasche.

(Erstellt am 18. November 2019)

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