Blumenwiesen brauchen Bewirtschafter

„A g‘mähts Wiesle“

Landkreis Böblingen und das Netzwerk Streuobsterlebnis Herrenberg unterstützen Eigentümer und Tierhalter

Das Netzwerk Streuobsterlebnis Herrenberg und der Landschaftserhaltungsverband Landkreis Böblingen (LEV) hatten Ende Oktober zu einer Infoveranstaltung zum Thema Grasschnitt in den Streuobstwiesen am Schönbuchhang eingeladen. Das Pilotprojekt mit dem passend schönen Name „A g‘mähts Wiesle“ nimmt das Gebiet zwischen Herrenberg, Gültstein, Mönchberg, Kayh und Altingen ins Visier.

„Die Blumenwiesen und Obstwiesen in Baden-Württemberg sind europaweit einzigartig. Besonders bedeutend ist der westliche Schönbuchhang zwischen Tübingen und Herrenberg. Hier stehen die meisten Stückle unter dem europäischen Schutz der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie“, erklärt Ralf Wegerer, kreisübergreifend zuständig für Erhaltung des Natura 2000-Gebietes „Schönbuch“. Über die Jahrhunderte sei hier eine der artenreichsten Kulturlandschaften entstanden; ca. 5.000 Tier- und Pflanzenarten gibt es in den Herrenberger Streuobstwiesen.

Blumenwiesen und Streuobstbäume bilden zusammen einen wichtigen Lebensraum. Die hier vorkommenden Vogelarten brauchen zur Brut nicht nur die Baumhöhlen, sondern zur Aufzucht besonders viele Insekten. Und die fühlen sich am wohlsten auf blumenbunten Wiesen. Damit das Gesamtkonzept Lebensraum Streuobst funktioniert, braucht es ausreichende Baumabstände und Stammhöhen, aber auch einen entsprechenden Unterwuchs. Vor allem eine traditionelle Heu- und Öhmdwirtschaft oder eine extensive Beweidung sind ideale Voraussetzungen für blumenbunte Wiesen. Den Unterwuchs gar nicht zu bewirtschaften, zu oft zu mähen oder auch zu mulchen, schadet jedoch der Blütenvielfalt.

„Wir wissen, dass viele Eigentümer keinen Balkenmäher oder gar Nutztiere zur Verfügung haben. Wir wollen keine Vorhaltungen machen, sondern helfen“, betont LEV-Geschäftsführer Florian Gall. Der LEV koordiniert das Projekt. Aktuell bestehe wieder ein verstärkter Trend zur Tierhaltung. Diese Halter mit den Wiesenbesitzern zusammen zu bringen, sei der Schlüssel zur Pflege des Unterwuchses. Ziel sei es, dass Eigentümer ihre Stückle an geeignete Bewirtschafter verpachten. Dazu plant der LEV eine Art Börse - Eigentümer und Tierhalter können sich beim Verein melden. Auch im Kreis Tübingen gibt es ein solches Projekt, d.h. auch für Stückle im Ammerbucher Schönbuchhang besteht ein ähnliches Angebot. Und – es gibt finanzielle Fördermöglichkeiten für Schäfer und Grünlandbewirtschafter; auch hierfür ist der LEV der Ansprechpartner.

Im Landkreis Böblingen kann man auf einige Erfahrung zurückgreifen. Am Schönbuchhang bei Herrenberg, Gültstein, Mönchberg und Kayh wurden schon etliche zugewucherte Stückle mit Hilfe der Schäferei Lemke aus Altingen zu Blumenwiesen aufgewertet. Auch Heike Mönig aus Herrenberg beweidet mit ihren Schafen und Ziegen Obstwiesen am Schönbuchhang. Und es gibt traditionelles Mähen, wie es beispielsweise vom Betrieb Kegreiß & Maisch am Schönbuchhang durchgeführt wird. Rd. 10 Hektar Obstwiesen mäht der Betrieb regelmäßig.
Manfred Nuber, Obstfachberater des Kreises, gibt zu bedenken, dass einiges passen muss, damit eine Obstwiese für die Unterwuchsnutzung geeignet ist. „Es braucht breite Fahrgassen und geeignete Stammhöhen, denn Schlepper und Ladewagen müssen durchpassen.“ Hängende Fruchtäste zu entfernen sei in Ordnung. „Eine Beweidung ist prinzipiell möglich und bei steilen Flächen oft die einzige Option, jedoch muss man auf ausreichenden Verbissschutz achten“, so Nuber. Der gängige Kunststoff-Schutz sei oft nicht ausreichend.
Auch Biogasnutzung sei im Kommen, berichtet Ralf Wegerer. „Mindestens zwei Biogasanlagen-Betreiber in der Region sind prinzipiell offen dafür, Grasschnitt von Obstwiesen anzunehmen.“ Allerdings braucht es dazu ein ausgeklügeltes Abholsystem, an dem der Landkreis Böblingen noch arbeite, denn Gras und Heu muss in gehäckselter Form und rasch nach dem Schnitt zugeführt werden.

Generell kam die Infoveranstaltung sehr gut an. „Die Herrenberger Streuobstwiesen sind wichtig für die Naherholung“, so der Sprecher der Bürgerinitiative „Netzwerk Streuobsterlebnis Herrenberg“, Thomas Wappler. „Dass sich nun ein behördenübergreifendes Netzwerk gebildet hat, ist ein Glücksfall. Die Kulturlandschaft kann nur durch ein Miteinander erhalten bleiben.“ Für die kommenden Jahre sind weitere Veranstaltungen und Aktionen des Netzwerks Streuobsterlebnis Herrenberg vorgesehen.

(Erstellt am 07. November 2022)

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