Können Greifvögel für Waldbesucher gefährlich werden?

Im Frühsommer klingelt ...

... beim Forstrevierleiter und Vogelexperten Winfried Seitz oft das Telefon und Waldbesucher berichten ihm über Angriffe von Greifvögeln. Immer wieder tragen die Erholungssuchenden dabei einen großen Schrecken und Kratzer am Kopf davon. Für Seitz ist das nichts Neues. „In den letzten Jahren kam es immer wieder zu solchen Vorfällen, meist im späten Frühjahr und Frühsommer.“, weiß er zu berichten.

Jungvögel werden verteidigt

Der Grund dafür sei, dass Mäusebussarde und andere Greifvögel in der Nähe einer Joggingstrecke oder eines Radweges ihren Horst mit Jungen haben. In der Zeit der Aufzucht und des Ausfliegens der Jungvögel empfinden sie Jogger und seltener auch Radfahrer als Gefahr. Sie versuchen den vermeintlichen Feind durch Scheinangriffe, Flugattacken oder eindringliche Schreie zu vertreiben. Die Waldbesucher trifft ein Angriff der sonst scheuen Vögel in den meisten Fällen überraschend. „Dennoch raten wir natürlich nicht generell von einem Waldbesuch ab.“ sagt Reinhold Kratzer, Leiter des Amtes für Forsten beim Landratsamt Böblingen. Um sich selbst zu schützen, sollte man lediglich auf die Vögel Rücksicht nehmen und die Laufstrecke für ein paar Wochen wechseln. Die Angriffe lassen erfahrungsgemäß bald nach dem Flügge-Werden der Jungvögel nach.

Jogger und Radfahrer können sich durch Rücksichtnahme selbst schützen

Wer nun als Läufer oder Radfahrer doch einem angreifenden Greifvogel begegnet ist gut beraten, im Ernstfall das Tempo zu reduzieren, vom Rad abzusteigen und ruhig weiterzugehen. Denn langsam gehende Spaziergänger reizen die Greife interessanterweise weniger. Wenn ein Vogel im Ausnahmefall dann tatsächlich angreift, so ist meist der Kopf des Menschen das Ziel. Vor Kratzern können eine Kopfbedeckung, die hochgezogene Jacke oder ausgebreitete Arme schützen.

Tollwut ist bei den Angriffen übrigens nicht als Ursache zu befürchten, wie von einem besorgten Waldbesucher nachgefragt. Denn Vögel können nicht an Tollwut erkranken.