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Klinikverbund Südwest

Forum Flugfeldklinik

Der Landkreis Böblingen als Träger der Kreiskliniken Böblingen gGmbH bereitet derzeit die Zusammenlegung der Krankenhäuser in Böblingen und Sindelfingen vor. Bereits 2013 hatte ein Standortgutachten unter elf Standorten das Flugfeld als geeignetsten Standort ermittelt. Derzeit beraten die Gremien der Städte Böblingen und Sindelfingen und des Landkreises über den Kauf des dafür vorgesehenen Grundstücks. Wir – Klinikverbund und Landkreis – möchten mit Ihnen über den aktuellen Planungsstand und die weiteren Schritte ins Gespräch kommen. Dazu laden wir Sie herzlich ein am. An verschiedenen Thementischen zum Standort Flugfeld, der Zusammenlegung der beiden Kliniken, dem Kosten- und Terminplan und dem Neubauverfahren können Sie mit uns ins Gespräch kommen.

Anmeldung 


Entscheidung des Landeskrankenhausausschusses zur Medizinkonzeption des Verbundes

Die Gesellschafter des Klinikverbundes Südwest begrüßen die Entscheidung des Landeskrankenhausausschusses zur Medizinkonzeption des Verbundes vom 20. November 2014. Dieser hatte das Medizinkonzept und die damit verbundene betrieblich-bauliche Entwicklung im Verbund für die Umsetzung empfohlen. Mehr dazu finden Sie in der Pressemitteilung (803,1 KiB).

Beschluss Medizinkonzeption für die Versorgungsregion des Klinikverbundes Südwest

Der Böblinger Kreistag hat am 5. Mai 2014 über die Medizinkonzeption für die Versorgungsregion des Klinikverbundes Südwest einschließlich des Landkreises Böblingen beschlossen. Nähere Infos finden Sie in der öffentlichen Niederschrift zur Sitzung (807,2 KiB).

Postwurfsendung

Postwurfsendung (1,188 MiB) - Gesundheit! Information zu den Krankenhäusern im Landkreis Böblingen

Medizinkonzept

Resolution zu den Krankenhäusern im Kreis Böblingen

Der Böblinger Kreistag hat in seiner Sitzung am 16. Dezember 2013 eine Resolution zu den Krankenhäusern im Kreis Böblingen verabschiedet und bekennt sich darin zu allen Standorten im Landkreis. Hier die Resolution im Wortlaut (33,1 KiB).

Fragen und Antworten rund um das Medizinkonzept des Klinikverbundes

Mitte November hat der Landkreis Böblingen als Gesellschafter des Klinikverbundes Südwest mit den Krankenhäusern in Sindelfingen, Böblingen, Leonberg, Herrenberg, Calw und Nagold eine neue Medizinkonzeption vorgestellt. Wir haben nach den Bürgerinformationen in Herrenberg und Leonberg die 50 wichtigsten Fragen und Antworten dazu zusammengestellt. Auf dem Blog des Landratsamtes können zudem weitere Fragen gestellt und Meinungen geäußert werden. FAQ zum Download (372 KiB)

I. Medizinkonzept allgemein

1. Wieso generell ein medizinisches Konzept bzw. Neuordnung im Klinikverbund Südwest (KVSW) und wieso jetzt

Die Krankenhäuser im Klinikverbund Südwest entwickelten sich in den letzten Jahren zunehmend defizitär. Im gesamten Klinikverbund bewegen wir uns auf einen Fehlbetrag von bald 30 Mio. Euro zu. Diese Größenordnung überfordert finanziell die Träger (Landkreise Böblingen und Calw, Stadt Sindelfingen). Wegen zahlreicher struktureller und medizinischer Mehrfachvorhaltungen (gleiche, zum Teil hochspezialisierte, Leistungen werden an mehreren Standorten angeboten) an den sechs Standorten sehen die Gutachter dringenden Handlungsbedarf, um die Verluste verringern zu können. Zusammen mit dem hohen Sanierungsbedarf in den Häusern und unter den schwierigen Bedingungen der Krankenhausfinanzierung durch Bund und Land sprechen sie gar von existenzgefährdenden Nachteilen der bestehenden Strukturen. Werden bei diesen Rahmenbedingungen keine aktiven Gegenmaßnahmen ergriffen, wäre  zwangsläufig eine komplette Schließung von Standorten und /oder eine Privatisierung die Folge.

2. Wie hoch sind die Defizite der Kliniken derzeit und wie werden sie sich in den kommenden Jahren entwickeln?

Für das Jahr 2013 wird für das Klinikum Sindelfingen-Böblingen ein Verlust von rd. 12 Millionen Euro, für das Krankenhaus Leonberg von 4,3 Millionen und für das Krankenhaus Herrenberg von 2,7 Millionen erwartet. Im Kreisklinikum Calw-Nagold wird es voraussichtlich einen Verlust von 5,3 Millionen geben.

3. Kann der Landkreis die Verluste nicht einfach im Sinne der Daseinsvorsorge weiter tragen?

Nein. Das würde unsere Städte und Gemeinden überlasten, die das über die Kreisumlage finanzieren. (Die Kreisumlage ist ein Betrag, denn die Gemeinden an den Kreis entrichten müssen, mit dem der Kreis die Kosten deckt, die nicht durch eigene Einnahmen abgedeckt werden). Es ist im Übrigen auch nicht  die Aufgabe der kommunalen Familie, dies zu finanzieren, sondern von Bund und Land. Wir bringen 2014 immerhin 3,7 Prozent der Kreisumlage für die Kliniken auf, das sind rund 20 Millionen Euro. Es gibt einen wirtschaftlicheren Weg und den müssen wir finden, ohne dabei die Qualität der Versorgung zu verschlechtern.

4. Wurden bei den Patientenwanderungen Abwanderungen insbesondere nach Stuttgart berücksichtigt?

Bei den Fallzahlverschiebungen wird davon ausgegangen, dass insgesamt 35% der verschobenen Fälle den KVSW eventuell verlassen. Dies sind rd. 1.800 Fälle. Im Gegenzug wird davon ausgegangen, dass durch einen Neubau Patientenabwanderungen, die heute bereits bestehen, entgegengewirkt werden kann. Es wird angenommen, dass durch diesen „Rückgewinnungseffekt“ die Zahl möglicher Abwanderungen mindestens kompensiert werden kann.

5. Wie hat der Gutachter die Patientenverlagerungen ermittelt?

Sämtliche Behandlungsprozeduren der Krankenhäuser (Fälle) wurden in Behandlungskategorien eingestuft. Alle rund 74.000 Fälle aus dem Jahr 2012 wurden nach diesen Einstufungen kategorisiert und je nach Modell entsprechend der Typisierung den Krankenhausstandorten zugeordnet, die für diese Leistungserbringung in einer neuen Struktur am besten geeignet sind. (Siehe dazu auch Fragen: 4, 51, 53 und 60)

6. Warum kann es nicht so bleiben, wie es ist?

Angesichts der hohen Verluste, die unsere Krankenhäuser im Kreis schreiben, müssen wir handeln. Auf Dauer kann der Landkreis diese Millionen-Defizite nicht ausgleichen und wir würden das Fortbestehen unserer Kliniken und damit die stationäre Versorgung im Kreis insgesamt gefährden. Wir müssen unsere Kliniklandschaft außerdem an die veränderten gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen und den demografischen Wandel in der Gesellschaft anpassen und sie dadurch zukunftsfähig machen.

7. Woher kommt die Ergebnisverbesserung?

Die Ergebnisverbesserung kommt aus einer effizienteren Leistungsstruktur im KVSW. Es sollen nicht mehr überall komplizierte und aufwendige Behandlungen durchgeführt werden (sogenannte Spezialversorgung). Hohe Kosten für bereitstehendes Personal und Geräte (sogenannte Vorhaltekosten) können dadurch reduziert und Investitionen besser konzentriert werden. Insbesondere wirken hier die gegenüber heute deutlich besseren Bedingungen in einem Neubau, die eine entsprechende Auswirkung auf die Wirtschaftlichkeit haben.

8. Gibt es nur eine wirtschaftliche Zukunft im bisherigen Klinikverbund?

Ja. Nach Einschätzung der  Gutachter können unsere Kliniken angesichts des aktuellen Systems der Krankenhausfinanzierung nur dann wirtschaftlich arbeiten, wenn sie in einem Verbund und standortübergreifend zusammenarbeiten. Ohne den Verbund würden wir vor noch größeren Problemen stehen. Es gilt deshalb, die bestehenden Vorteile weiterhin zu nutzen, den Verbund weiter zu entwickeln und zu stärken.

9. Brauchen wir überhaupt ein spezialisiertes Haus (Typ 3) im Verbund?

Kein Typ 3 wäre keine gute Alternative, dann würde dauerhaft das Versorgungsniveau im Landkreis nicht gehalten werden können und im Endeffekt würde der Verbund massiv Patienten verlieren. Der Ansatz des vorliegenden Konzeptes ist eben nicht die isolierte Betrachtung der Häuser, sondern ein verbundweites Konzept. Auch das Sozialministerium sieht den Klinikverbund damit auf dem richtigen Weg, die Balance stimmt. Der Saldo aller Häuser muss stimmen.

10. Welche der Alternativen der vorgestellten Modelle im Medizinkonzept favorisiert der Landkreis Böblingen?

Die Modellvariante 6 bietet die beste Basis für die weiteren Beratungen in den Gremien und die Bürgerbeteiligung über das Medizinkonzept. Sie sichert eine wohnortnahe, qualitativ hochwertige, stationäre Versorgung der Bevölkerung und hilft uns gleichzeitig mit Spezialisierungen die Wirtschaftlichkeit des KVSW zu verbessern.

11. Wie wird genau zwischen den Spezialisierungsgraden abgegrenzt (was wird wo gemacht)? Beispiele?

Im Gutachten erfolgt eine Abgrenzung anhand der bei den Patienten hinterlegten sogenannten Operationen- und Prozedurenschlüssel, also den tatsächlich durchgeführten Behandlungen. Spezielle Leistungen sind solche, die einen höheren Aufwand benötigen und/oder gewisse Spezialkenntnisse erfordern und lediglich in geringerer Anzahl an den einzelnen Standorten erbracht werden. Hierzu zählen z.B. größere und schwierigere Operationen bei Krebserkrankungen.

12. Was bedeutet Grund- und Basisversorgung? Wie hoch ist dieser Anteil im Vergleich zur Spezialversorgung?

Leistungen der Grund- und Basisversorgung sind Leistungen in den Fachbereichen Chirurgie und Innere Medizin, die keine besondere technische und personelle Ausstattung und keine besondere, weitergehende medizinische Kompetenz erfordern. Dazu gehört auch die Geburtshilfe. Der Anteil der Grund- und Basisversorgung umfasst in allen Häusern aktuell rund Zweidrittel der Leistungen.

13. Warum wird die OP Gallenblase, die dritthäufigste OP in Deutschland, dem Typ 3 zugeordnet?

Die unkomplizierte, laparoskopische Cholezystektomie (umgangssprachlich die Entfernung der Gallenblase per Bauchspiegelung) kann als Basisversorgung angesehen werden. Die offen chirurgische Cholezystektomie (Cholezystektomie  ist umgangssprachlich die Entfernung der Gallenblase) ist heutzutage nicht mehr die Therapie der ersten Wahl und wird vorwiegend in Notfällen durchgeführt.

Die Cholezystektomie mit operativer Revision der Gallenwege ist als Spezialleistung zu werten.
Zusammenfassend wurden also auch bei der Cholezystektomie Basis- und Spezialversorgungsanteile definiert und  zugewiesen.

Der Behandlungsort ist nicht zuletzt auch eine Frage des anästhesiologischen Risikos des Patienten und der mit geltenden und zu behandelnden Komorbiditäten (umgangssprachlich Begleiterkrankungen).

Patienten mit entsprechenden Komorbiditäten (Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz usw.) oder mit entitätsbedingter Organbeteiligung (Pankreatitis, Hepatitis) wurden ebenso der Spezialversorgung zugeordnet, so dass auch die nicht Prozeduren bezogenen Aspekte berücksichtigt wurden.

14. Für jede Fachabteilung soll definiert werden, was genau dort gemacht wird. In welchem Zeitraum soll diese Definition erfolgen und wann die Umsetzung?

In dem Gutachten wurden die Eckpfeiler für eine solche Definition durch die Steckbriefe der medizinischen Aufgabenstellung und Zielsetzung vorgeschlagen. Diese definieren aus Sicht der Geschäftsführung  „Leitplanken“ für die künftige Struktur. Es besteht Spielraum für eigene Umsetzungswege, um in den nächsten Jahren schrittweise ökonomisch tragfähigere Strukturen etablieren zu können.

Zu Beginn müssen für die Medizinkonzeption die Eckpunkte der Zielrichtung und der organisatorische Rahmen für eine Umsetzung festgelegt werden. Diese bilden dann den Handlungsrahmen für die weiteren Umsetzungsschritte. Die Umsetzung stellt dann einen sicher mehrjährigen Prozess dar, der je nach Situation und Begebenheiten in den einzelnen Fachdisziplinen unterschiedlich ablaufen wird, auch noch über den Zeitpunkt der Inbetriebnahme einer Flugfeldklinik hinaus.

15. Welche Doppelstrukturen werden derzeit im Klinikverbund aufrecht erhalten? Was bedeutet das für die Kosten? Welche Mindestzahlen sind erforderlich?

Tabelle mit Kliniken im KVSW

Fachbereich/Klinik SIBB LE HB CW NA
Allgemein- und Visceralchirurgie x x x (x) x
Unfallchirurgie / Orthopädie x x x x (x)
Gefäßchirurgie x x     (x)
Urologie x       x
Gynäkologie und Geburtshilfe x x x x
Belegabteilung
 
Kinder- und Jugendmedizin x        
Neurologie x     x  
Kardiologie x mit
Elektrophysiologie
x x x x
Gastroenterologie x x x (x) x
Nephrologie x        
Hämatologie / Onkologie x        
Altersmedizin x        
Anästhesie und Intensivmedizin xx x x x x
Radiologie xx x Praxis am KH Praxis am KH x
HNO-Hielkunde x
Belegabteilung
    x
Belegabteilung
 
Augenheilkunde x
Belegabteilung
    x
Belegabteilung
 

(X) = Fachbereich / Unterabteilung

Eine eigenständige Hauptfachabteilung benötigt als Mindestausstattung rd. 9 Ärzte. In Bezug auf die Kosten bedeutet dies, dass eine solche Struktur hohe Vorhaltekosten verursacht und unter den momentanen Bedingungen nicht kostendeckend betrieben werden kann.

16. Warum wurde das Medizinkonzept erst im November 2013 veröffentlicht? Wurde auf den Gutachter eingewirkt?

Nein, zu keinem Zeitpunkt wurde auf den Gutachter eingewirkt. Wie bereits bei den Gutachten zum Klinik-Neubau und der Standortfrage wurde der Gutachter ergebnisoffen beauftragt. Weil das Gesamtgutachten noch mit dem Teilgutachten aus dem Landkreis Calw zusammengeführt werden musste, war erst im November 2013 eine Veröffentlichung möglich.

17. Wurde dem Sozialministerium das Medizinkonzept vorgestellt? Wie schätzt man dort das Konzept ein?

Dem Sozialministerium wurde das Konzept im Oktober 2013 vorgestellt. Dort wurden wir bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen – sowohl bei der Entwicklung des Medizinkonzeptes als auch für den Neubau. Die Standorte Leonberg und Herrenberg sind für das Sozialministerium gesetzt, der Neubau soll 2015 mit einer Planungsrate unterstützt werden. Dazu braucht es einen Beschluss von Eckpunkten des Medizinkonzeptes durch den Kreistag des Landkreises Böblingen noch vor Pfingsten 2014.

18. Wann wird das neue Medizinkonzept beschlossen?

Das im Herbst 2013 vorgestellte Konzept ist Basis für die laufenden Beratungen. Auch die Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, sich an der Diskussion zu beteiligen. Dafür wollen wir uns die notwendige Zeit nehmen. Ende April soll der Diskussionsprozess soweit abgeschlossen sein, dass der Kreistag am 5. Mai in einer Sondersitzung über die Eckpunkte des Medizinkonzeptes entscheiden kann.

19. Wie ist bis dahin die Vorgehensweise?

Bis zur Entscheidung über das Medizinkonzept soll intensiv über die vom Gutachter vorgestellten Ergebnisse beraten werden. Das soll sich nicht auf die Gremien beschränken. Im Frühjahr wird es auch einen Beteiligungsprozess mit den Bürgern geben. Dazu sind zahlreiche Aktionen geplant, die über die Presse und die Homepage des Landratsamtes kommuniziert werden.

20. Wie sollen die Maßnahmen umgesetzt werden?

Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass eine neue Medizinstruktur schrittweise umgesetzt wird. Ein Veränderungsprozess dieses Ausmaßes kann nicht auf einen Schlag erfolgen. Wesentlich ist zunächst eine Entscheidung über die Medizinkonzeption. Diese bildet dann den Handlungsrahmen für die weiteren Umsetzungsschritte.

21. Gibt es Referenzen für die von Teamplan vorgeschlagene Variante? Gibt es das vorgeschlagene Modell 6 bereits anderswo?

Die verwendeten Typen korrelieren in etwa mit den sogenannten Versorgungsstufen (dies ist ein Begriff, der dem Bereich der Krankenhausplanung angehört; die so genannten Versorgungsstufen teilen die Krankenhäuser nach der Intensität der möglichen Patientenversorgung ein). Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung umfassen die Fachrichtungen Chirurgie und/oder Innere Medizin und wenn Bedarf festgestellt ist, können sie die Fachrichtungen Gynäkologie und Geburtshilfe, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Orthopädie, Pädiatrie, Psychiatrie und Urologie zusätzlich anbieten.

Krankenhäuser der Schwerpunktversorgung erfüllen in Diagnose und Therapie auch überörtliche Schwerpunktaufgaben. Neben den Fachbereichen Chirurgie und Innere Medizin umfassen sie zusätzlich Gynäkologie und Geburtshilfe, Augenheilkunde, Hals-Nasen- Ohrenheilkunde, Orthopädie, Pädiatrie und Urologie und bei Bedarf auch Dermatologie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Neurologie und Psychiatrie.

Krankenhäuser der Maximalversorgung müssen im Rahmen des Bedarfs mit ihren Leistungsangeboten über Krankenhäuser der Schwerpunktversorgung wesentlich hinausgehen. Sie sollen die entsprechenden hochdifferenzierten medizinisch-technischen Einrichtungen vorhalten.

Einteilungen von Krankenhäusern gibt es schon lange, auch in Ballungsräumen. In Baden-Württemberg wurde dies jedoch nicht so konsequent verfolgt wie in anderen Bundesländern. Die Sinnhaftigkeit von Abstufungen innerhalb von Fachdisziplinen gibt es zunächst einmal innerhalb von Verbundhäusern, bzw. Häusern, die zum selben Träger gehören und die sich potentiell gegenseitig Konkurrenz machen können.

Die Städtischen Kliniken München reagieren darauf mit solchen Strategien, selbst die LMU München hat sich ein solches arbeitsteiliges Konzept mit der Innenstadt erarbeitet. Auch private Träger wie z.B. die Rhön Klinikum AG und die SANA Kliniken AG arbeiten mit diesen Ansätzen.

22. Hat die Firma Teamplan bisher „nur“ Baubegleitung gemacht oder auch andere Projekte im Medizinbereich?

Teamplan bearbeitet in vielen unterschiedlichen Projekten medizinisch konzeptionelle Fragestellungen. Diese Untersuchungen resultieren sehr häufig auch in der  (Neu-)Strukturierung von Krankenhauszielplanungen oder konkreten Krankenhausbauprojekten. Sehr umfangreich zuletzt z.B. bei der Verlagerung der Innenstadtkliniken der Ludwig-Maximilian-Universität nach Großhadern, deren medizinisch konzeptionelle Basis durch Teamplan erstellt wurde. Am Ende mündet diese Arbeit in einen neuen Masterplan für den Standort Großhadern. Näheres unter www.teamplan.de.

23. Kann auf die Einweisequoten Einfluss genommen werden? Stimmt es, dass Überweisungen vor allem an die Chefärzte gerichtet sind und damit wohl an die Häuser in denen diese ansässig sind?

Einweisungen erfolgen in der Regel nicht an Chefärzte sondern in die jeweiligen Kliniken. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass sich ein Teil der Patienten an einen bestimmten Arzt für eine bestimmte Behandlung wendet, weil dieser Arzt einen guten Ruf hat und sich evtl. auf bestimmte Eingriffe oder Behandlungen spezialisiert hat. Dies beschränkt sich jedoch nicht auf die Funktion eines Chefarztes, sondern gilt auch bei hierarchisch nachgeordneten Fach- bzw. Oberärzten. Primär ergeben sich die medizinische Behandlungsqualität und die Reputation einer Klinik/Abteilung aus der Qualität in Bezug auf die gesamte Ärzteschaft und Organisation. Es ist davon auszugehen, dass die medizinische Qualität nicht ausschließlich am Chefarzttitel festgemacht wird, sondern schließlich an der Qualität der Behandlung und Versorgung insgesamt. Das zeigen auch Vergleichsportale der Qualität von Kliniken im Internet.

Daneben spielt die persönliche Verbindung zu den einweisenden niedergelassenen Ärzten sicherlich eine bedeutende Rolle. Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises können am meisten für den Bestand ihrer Krankenhäuser tun, wenn sie diese auch nutzen, sofern sie eine stationäre Behandlung benötigen sollten.

II. Auswirkungen auf das Personal

24. Welche Auswirkungen auf das Personal gibt es?

Da bisher noch unklar ist, was schließlich durch die Gremien beschlossen werden wird, kann zu den Auswirkungen auf das Personal noch nichts Konkretes gesagt werden. Ein Personalabbau durch betriebsbedingte Kündigungen ist aber definitiv nicht vorgesehen. Eine Neuausrichtung der Verbundstruktur des KVSW ist zwangsläufig mit Veränderungen im Bereich des Personals verbunden. Anpassungen sollen aber über längere Zeiträume erfolgen. Das Gutachten geht von einer stufenweisen Umsetzung zum Jahr 2020 aus.
Personalveränderungen würden sich zunächst aus einer Veränderung räumlicher Zuständigkeiten ergeben.

25. Wie werden die Mitarbeiter und Chefärzte bei der weiteren Entscheidungsfindung und einer späteren Umsetzung eingebunden

Die Einbindung der Mitarbeiter erfolgt insbesondere durch Diskussionsforen. Diese haben bereits in allen Häusern stattgefunden. Darüber hinaus sind die Krankenhausdirektorien mit jeweils Ärztlichem Direktor, Pflegedienstleitung und Krankenhausdirektor eingebunden. Die institutionelle Einbindung der Mitarbeiter bei der Entscheidung erfolgt über die Instanz des Betriebsrats. Des Weiteren können laufend Anregungen, Ideen, Hinweise und Fragen abgesetzt werden, die in den weiteren Prozess mit einfließen.

26. Wenn einzelne Chefärzte eine standortübergreifende Leitungsfunktion übernehmen sollen, was passiert dann mit den anderen?

Im Rahmen einer Umsetzung einer Medizinkonzeption hängt die Entscheidung in Bezug auf die Besetzung von Chefärzten vom medizinischen Spezialisierungsprofil am jeweiligen Standort, maßgeblich jedoch auch von den vorhandenen Chefärzten ab. Entscheidend ist dabei, dass die Organisations- und Führungsstruktur die Umsetzung einer standortübergreifend abgestimmten medizinischen Leistungsstruktur ermöglicht. Hierfür sind unterschiedliche Modelle oder Lösungsansätze denkbar, z.B. ein Chefarzt ist für mehrere Standorte zuständig mit den zentral unterstellten, ärztlichen Leitungen vor Ort; mehrere Chefärzte, die in einem Teammodell zusammenarbeiten oder eine Kombination der beiden Modelle. Möglichkeiten einer Anpassung ergeben sich grundsätzlich dann, wenn Chefärzte in den Ruhestand treten.

27. Welche Strategie gibt es bis zum Zeitpunkt der Umsetzung hinsichtlich der Gewinnung von Personal wie Chefärzte und Pflegekräfte?

Entscheidend für die Personalgewinnung ist sicher die Arbeitsplatzattraktivität. Aus der durchgeführten Mitarbeiterbefragung wissen wir, dass insbesondere familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, gute Bedingungen für die Weiterbildung sowie eine leistungsgerechte Vergütung eine wichtige Rolle spielen. Diese Aspekte müssen beibehalten und wo möglich ausgebaut werden.
Unser wesentliches Ziel ist es, die Arbeitsplätze in kommunaler Trägerschaft zu behalten. Wir gehen davon aus, dass die Attraktivität des Arbeitsplatzes im Vergleich höher ist, als bei einem privaten Krankenhausträger.

Wir glauben, dass durch das Zusammenwirken im Klinikverbund auch fachlich und hinsichtlich der Entwicklungsperspektiven eine hohe Attraktivität für Mitarbeiter angeboten werden kann. So kann eine verbundweite bzw. standortübergreifende Zusammenarbeit auch die Voraussetzungen für eine Aus- und Weiterbildung verbessert werden kann.

28. Inwieweit ist es möglich und sinnvoll, Patienten mit Komplex-OPs zur Anschluss- bzw. Nachbehandlung in ortsnahe Häuser zurückzuverlegen?

Eine (Rück)verlegung von Patienten, die eine spezielle Behandlung im „Zentralversorger“ erhalten, ist möglich und wird heute schon bei kooperierenden Krankenhäusern durchgeführt. Hier spielt natürlich auch der Patientenwunsch für eine heimatnahe (Weiter-)Behandlung eine wesentliche Rolle.

29. Können Abteilungen aus einer Zentrale heraus standortübergreifend überhaupt geleitet werden?

Ausgangspunkt der Überlegungen war herauszuarbeiten, welche Leistungsangebote wohnortnah sinnvoll und notwendig sind. Je mehr im Bereich Basisversorgung gearbeitet wird, desto weniger werden hochspezialisierte Qualifikationen abgerufen. Erst wenn über die Leistungsstruktur eines Standortes abschließend entschieden ist, wird klar sein, an welchen Stellen ein Chefarzt weiterhin Sinn macht, weil er die Position über den Standort hinaus für den Verbund Vorteile bringt. Wie die Leitungsstruktur letztendlich standortübergreifend am besten zu organisieren ist, wird der Krankenhausträger selbst entscheiden wollen und müssen. Es wären zum Beispiel durchaus auch wechselseitig übergreifende Chefarztstrukturen denkbar.
Die Gutachter schließen keine Lösung von vornherein aus.
 
Für die politische Diskussion sollte aber berücksichtigt werden, was die eigentliche Aufgabe der Chefärzte ist: Sie sind verantwortlich für die medizinischen und strukturellen Abläufe in einer Abteilung. Sie überwachen die Tätigkeit der Oberärzte unter ihrer Verantwortung, und zusammen mit ihnen die Weiterbildung der Assistenzärzte. Im Rahmen einer Chefarztvisite besuchen sie die Patienten einer Station mit dem Ziel  Ober- und  Stationsärzte über die bisherige und zukünftige Diagnostik und Therapie der Patienten zu beraten und einen Überblick über Diagnostik und Therapien im von ihnen verantworteten Bereich zu erhalten. Ist eine Abteilung an mehreren Standorten tätig, hat der Chefarzt diese Aufgabe dann auch für mehrere Standorte zu übernehmen.

30. Welche Auswirkungen ergeben sich beim Wegfall von Chefärzten in Bezug auf

a.    die Facharztweiterbildung?
 
Zur Weiterbildung befugt wird ein Arzt durch die Ärztekammer in zugelassenen Weiterbildungsstätten. Der befugte Arzt muss die Facharzt- oder Schwerpunktbezeichnung führen, fachlich und persönlich geeignet sein, und eine mehrjährige Tätigkeit in der entsprechenden Weiterbildungsrichtung nachweisen.

Die Weiterbildungsstätte selbst ist von der Ärztekammer zuzulassen. Dazu bedarf es folgender Voraussetzungen:

  • Für die Weiterbildung typische Krankheiten müssen in Zahl und Art der Patienten regelmäßig und häufig vorkommen.
  • Personal und Ausstattung der Einrichtung müssen den Erfordernissen der medizinischen Entwicklung Rechnung tragen
  • Krankenhausabteilungen müssen eine regelmäßige Konsiliartätigkeit aufweisen.

Fazit: die Sicherung der Weiterbildung hängt nicht allein vom Chefarzt ab. Maßgeblich sind ausreichend befugte Fachärzte. Es bestehen zahlreiche Möglichkeiten die Befugnis unter verschiedenen Befugten aber auch Weiterbildungsstätten aufzuteilen. Die Attraktivität der Weiterbildung steigt unserer Einschätzung nach dadurch eher.

b.    Chefarztambulanzen und stationäre Wahlleistungen?
 
Die Erbringung und Abrechnung wahlärztlicher Leistungen wäre  weiterhin gewährleistet. Anstelle des Chefarztes kann ein ärztlicher Leiter als Wahlarzt festgelegt werden.

Darüber hinaus wäre es möglich, dass der Chefarzt z.B. im Rahmen von Spezialsprechstunden vor Ort weiterhin „seine“ privatversicherten Patienten behandelt.

Die Frage eines möglichen Patientenverlustes bei dem Wegfall von Chefarztpositionen muss differenziert betrachtet werden. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass sich ein Teil der Patienten an einen bestimmten Arzt für eine bestimmte Behandlung wendet, weil dieser Arzt einen guten Ruf hat und sich evtl. auf bestimmte Eingriffe oder Behandlungen spezialisiert hat.

Dies beschränkt sich jedoch nicht auf die Funktion eines Chefarztes, sondern gilt auch bei hierarchisch nachgeordneten Fach- bzw. Oberärzten.

III. Auswirkungen auf die einzelnen Standorte

31. Verschlechtert sich die medizinische Versorgung an den Standorten Leonberg/Herrenberg durch die neue Medizinkonzeption?

Nein, sie verändert sich aber. Die wichtigste Etappe der medizinischen Versorgung ist die Diagnostik. Von der frühzeitigen Erkennung hängen alle weiteren Behandlungschancen und Risiken fundamental ab. Diese Diagnostik bleibt erhalten und soll sogar noch verbessert werden. Herrenberg und Leonberg sollen sich zukünftig allerdings auf wohnortnahe Basisversorgung und ausgewählte Spezialversorgung für Notfälle konzentrieren. Spezielle medizinische Leistungen, die in der Regel planbar sind, sollen zukünftig konzentriert erbracht werden, zumal davon ein positiver Qualitätseffekt zu erwarten ist.

32. Die kleinen Krankenhäuser sollen gestärkt aus dem Prozess herausgehen. Wie soll das funktionieren, bei gleichzeitigem Bettenabbau und Abteilungsschließungen?

Die Stärkung erfolgt vor allem dadurch, dass ihre Rolle in einer zukünftigen Medizinkonzeption geklärt wurde. Bisher bestand die Befürchtung, dass die Standorte nicht auf Dauer gesichert werden können. Nun wurde eine Konzeption vorgelegt, die die Standorte Leonberg und Herrenberg als dauerhaften, festen Bestandteil einer größeren Einheit zusammen mit einem Klinikneubau auf dem Flugfeld sieht. Auf dieser Grundlage hat das Sozialministerium die Existenzberechtigung der beiden Standorte bestätigt und in einzelnen Bereichen (etwa der Altersmedizin und der Psychosomatik) sogar neue Schwerpunktbildungen angeregt. Abteilungen sollen dabei nicht geschlossen, sondern die Leistungen in Basis- und Spezialversorgung untergliedert werden.

33. Das Gutachten geht von einem Gewinn des neuen Zentralkrankenhauses von 12 Mio. EUR jährlich aus, womit die Defizite der Häuser in Leonberg und Herrenberg ausgeglichen werden sollen. Wie kommt der Gutachter zu dieser Annahme und gibt es vergleichbare Häuser in kommunaler Trägerschaft, die einen Gewinn von jährlich 12 Mio. EUR erwirtschaften?

Zur Ermittlung der Deckungsbeiträge für den Neubau 2020 wurden die der Deckungsbeitragsrechnung des KVSW für die Standorte Sindelfingen und Böblingen zugrundeliegenden Kosten- und Erlösstrukturen neu berechnet. Maßgebend dafür war die Schätzung der Betriebskosten für die Neubaustruktur entsprechend der Einsparung bei Doppelvorhaltungen (nur noch ein OP Bereich, eine Intensivstation, eine Radiologie, eine Notaufnahme, etc.) damit einhergehenden Investitionskosten etc. sowie der Erlös entsprechend der Erlösumverteilung.

Zum jetzigen Zeitpunkt suchen viele insbesondere kommunale Krankenhausträger nach Lösungen, wie sie dem finanziellen Druck, der heute auf ihnen lastet, begegnen können. Die Ansätze des Teamplangutachtens sind keinesfalls neu oder einmalig. In anderen Landkreisen werden ebenfalls solche Konsolidierungsansätze verfolgt, teilweise sogar in Verbindung mit Standortaufgaben (z.B. Rems-Murr-Kreis, Landkreis Biberach, Schwarzwald-Baar-Kreis) aber auch mit dem Versuch der Standorterhaltung (z.B. Landkreis Reutlingen, Landkreis Esslingen, Landkreis Lörrach). Auch dort besteht die Zielsetzung darin, Gewinne zu erwirtschaften um insbesondere die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen zu finanzieren.

Als Beispiel können die Mühlenkreiskliniken betrachtet werden. Diese waren 2008 zeitgleich mit der drohenden Zahlungsunfähigkeit in Folge eines Defizits von 60 Mio. und mangelnder Liquidität in den (in seiner Größe damals umstrittenen) Neubau  Johannes Wesling-Klinikum Minden eingezogen, welches das ehemalige Stadtkrankenhaus der Stadt Minden an der Friedrichstraße (Klinikum I) und das ehemalige Kreiskrankenhaus des Altkreises Minden an der Portastraße (Klinikum II) im Mindener Glacis ersetzte. Nach Jahren mit zweistelligen Millionen-Verlusten konnten die MKK 2010 erstmals ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis vorweisen. 2011 lag das Jahresergebnis dann insgesamt bei fast 1,4 Millionen Euro und 2012 bei knapp 2,4 Millionen Euro. (die Mühlenkreiskliniken umfassen drei weitere Häuser mit insgesamt ca. 4000 Mitarbeitern).

34. Herrenberg und Leonberg bleiben im Ergebnis negativ. Besteht nicht die Gefahr, dass die Häuser dann über kurz oder lang ganz aufgegeben werden?

Die neue Struktur erfordert einen neue Sichtweise: weg vom einzelnen Standort, hin zum Verbund. Der Gutachter hat aufgezeigt, dass insgesamt durch die Strukturveränderung und das Zusammenwirken aller das Ergebnis für alle zusammen verbessert werden kann. Für eine solche Verbundstruktur sind die Häuser Leonberg und Herrenberg auch für die Wirtschaftlichkeit wichtig. Die Häuser Leonberg und Herrenberg erfüllen für die Bevölkerung eine bewusst gewollte ortsnahe Versorgungsaufgabe.

35. Ist eine Schließung der Standorte Herrenberg und Leonberg eine Option? Wurde dies geprüft?

Nein, eine Schließung der Standorte Leonberg und Herrenberg wird nicht als Ansatz für eine zukunftsweisende Medizinkonzeption verfolgt. Diese Option wurde zwar auf der Suche nach den wirtschaftlichsten Lösungen im KVSW geprüft, allerdings erfüllt sie die Zielsetzung einer möglichst weitgreifenden ortsnahen Versorgung im Landkreis Böblingen am schlechtesten. Eine Schließung der Krankenhäuser in Herrenberg und Leonberg ist weder politisch gewollt, noch beabsichtigt. Dies haben Landrat Bernhard und der Kreistag durch zahlreiche Beschlüsse bekräftigt.
 
Zudem hat sich das Sozialministerium in einem Gespräch im Oktober ebenfalls ganz klar für den Erhalt der Standorte Leonberg und Herrenberg ausgesprochen. Landkreis und Sozialministerium sehen gleichermaßen eine Perspektive für beide Standorte, die allerdings mit strukturellen Veränderungen verbunden sein muss.

36. Gibt es Überlegungen zu möglichen leer stehenden Räumen in den Häusern Herrenberg und Leonberg?

Eventuell frei werdende Flächen würden sofern machbar mit komplementären Einrichtungen belegt werden. Hierzu könnten z.B. zählen die Ansiedelung von Arztpraxen und Praxisräumen, Kurzzeitpflegeeinheiten, oder der Ausbau von Palliativeinheiten.

37. Welche medizinischen Schwerpunkte werden zukünftig die einzelnen Krankenhäuser haben, insbesondere Leonberg und Herrenberg? (aktualisiert und ergänzt)

Im Modell 6 der Firma Teamplan vom 18.11.2013 werden beide Häuser als „Typ 2-Krankenhaus“ bezeichnet, d.h. Krankenhäuser der ambulanten und stationären Basisversorgung der vorhandenen Fachdisziplinen. Herrenberg soll zudem einen Schwerpunkt im Bereich Geburtshilfe bilden..
 
Leonberg bietet derzeit ein ausdifferenziertes Leistungsspektrum, jedoch keinen akutmedizinisch dominierenden Schwerpunkt. Der Standort Leonberg verfügt aber bereits heute über das Alleinstellungsmerkmal einer psychosomatischen Tagesklinik, die dort durch das Klinikum Nordschwarzwald (ZfP) betrieben wird. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels könnte der Aus- und Aufbau eines Schwerpunkts im Bereich der Altersmedizin und bei der Behandlung psychischer Erkrankungen am Standort Leonberg eine sinnvolle Profilierung darstellen. Zudem hat der Träger die Geschäftsführung beauftragt zu prüfen, ob die Gefäßchirurgie in Leonberg bleiben kann.

38. Ist die Geburtshilfe am Standort Leonberg aus ökonomischer Sicht noch haltbar? Wäre ein Hebammen geführter Kreissaal eine sinnvolle Alternative? Wäre eine standortübergreifende Kooperation mit der Kinderklinik Böblingen zu bevorzugen?

Die Geburtshilfe ist prinzipiell eine wichtige Aufgabe der Basisversorgung, insbesondere, da sich aus dem Geburtsereignis immer auch unmittelbar vital bedrohliche Risikosituationen für Mutter und Kind ergeben.

Vergleicht man die Häuser Leonberg und Herrenberg, so fällt auf, dass in Herrenberg mit rd. 900 deutlich mehr Geburten erfolgen als in Leonberg mit rd. 550, obwohl statistisch gesehen in Herrenberg weniger Geburten zu versorgen wären als in Leonberg.

Jeder der Herrenberg kennt, weiß, dass die dortige Abteilung sich einen sehr guten Ruf erarbeitet hat, indem sie Schwangere bei ihren Vorstellungen einer selbstbestimmten Geburt abholt und zuverlässig Restrisiken absichert. Hier kann sich die Geburtshilfe offensichtlich gut gegenüber der Konkurrenz der Frauenklinik Tübingen abgrenzen.

Aus Sicht der Geschäftsführung sollte zunächst versucht werden, das Angebot der Geburtshilfe aufrecht zu erhalten. Dabei könnten auch Ansätze aus Herrenberg erfolgreich sein, wie die Einrichtung eines von Hebammen geführten Kreißsaals. Diese Art der Geburtshilfe muss jedoch auch von den Mitarbeitern vor Ort unterstützt werden.

Insgesamt sieht die Geschäftsführung einen großen Vorteil für Leonberg in einer standortübergreifenden Zusammenarbeit mit der Frauenklinik Böblingen. Dies wurde vom Aufsichtsrat der Kreiskliniken in seiner letzten Sitzung auch beschlossen.

39. Welche Behandlungen werden in Leonberg und Herrenberg dann noch genau durchgeführt werden können?

Vor Ort sollen alle Behandlungen durchgeführt werden können, die für eine ortsnahe Versorgung der Bevölkerung, insbesondere für die Notfallversorgung, notwendig sind. Hierzu zählen vor allem die Behandlung bei Schlaganfall, Herzinfarkt und kleine bis mittlere Verletzungen und chirurgische Eingriffe. Dazu kommen die Geburtshilfe und die allgemeine inneren Medizin.

40. Gibt es Überlegungen, am Standort Leonberg eine Abteilung für Altersmedizin aufzubauen? Wäre eine solche Abteilung ökonomisch tragbar?

Der Standort Leonberg verfügt bereits heute über das Alleinstellungsmerkmal einer psychosomatischen Tagesklinik, die dort durch das Klinikum Nordschwarzwald (ZfP) betrieben wird. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels könnte der Aus- und Aufbau eines Schwerpunkts im Bereich der Altersmedizin und bei der Behandlung psychischer Erkrankungen am Standort Leonberg eine sinnvolle Profilierung darstellen.

Die Geschäftsführung hat dazu bisher noch keine detaillierten Konzepte entwickelt, wird dies aber in Abstimmung mit dem Sozialministerium vornehmen.

41. Warum wurde von der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat ein Linksherzkatheter im Krankenhaus Leonberg installiert, wenngleich bekannt war, dass dies eine neue Doppelstruktur darstellt und das Herzzentrum am Standort Sindelfingen ist?

Die Linksherzkathederuntersuchung kommt bei unmittelbar vital bedrohlichen Herzerkrankungen zum Einsatz, ein wesentlicher Grund, der für eine wohnortnahe Versorgung spricht. Damit unterstützt es ein zentrales Herz-Kreislauf-Gefäßzentrum mit einem viel breiteren Untersuchungs- und Behandlungsspektrum an einer Stelle wo Zeitgewinn im Rahmen einer Notfallversorgung von entscheidendem Vorteil ist.

42. Was passiert mit der Gefäßchirurgie in Leonberg?

Das Gefäßzentrum sollte nach Einschätzung der Gutachter nach Abschluss des Neubaus auf dem Flugfeld dorthin verlagert werden. Zusammen mit der Inneren Medizin/Diabetologie, Kardiologie und Neurologie würde dort ein Herz-Kreislauf-Gefäßzentrum errichtet werden, in dem Patienten mit Risikokonstellation im Bereich Gefäße interdisziplinär behandelt werden würden. Dazu wären die angiologischen und offen-gefäßchirurgischen Kompetenzen hier zu bündeln. Bis zu diesem Zeitpunkt wird man Überganslösungen suchen, die den Wandel einleiten und diese Kompetenz
im KVSW erhalten.

43. Die Leonberger Gefäßchirurgie ist eines der wenigen von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie zertifizierten Gefäßzentren. Warum wird ausgerechnet diese Abteilung in Leonberg wegfallen?

Die Gefäßchirurgie ist ein Fach, das sehr stark interdisziplinär arbeitet. Deshalb macht es Sinn, diese dort anzusiedeln, wo später Spezialbehandlungen in großer Menge durchgeführt werden. Das wird das Klinikum auf dem Flugfeld sein.

Das Gefäßzentrum soll gemäß dem Gutachten nach Abschluss des Neubaus in Sindelfingen/Böblingen in diesen verlagert werden. Zusammen mit der Inneren Medizin/Diabetologie, Kardiologie und Neurologie würde dort ein Herz-Kreislauf-Gefäßzentrum errichtet werden, in dem Patienten mit Risikokonstellation im Bereich der Gefäße interdisziplinär behandelt werden würden. Dazu müssen Kompetenzen gebündelt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wird man Überganslösungen suchen und finden, die den Wandel einleiten und diese Kompetenz erhalten können. Ein zertifiziertes Gefäßzentrum macht sich nicht allein am Standort fest, sondern vor allem an den Strukturen und Mitarbeitern. Diese erworbenen Qualifizierungen und Referenzen würden somit nicht verlorengehen.

44. Ist es wirtschaftlich darstellbar, dass die Gefäßchirurgie in Leonberg bleibt?

Entscheidend ist hier die Frage, wo in einer zukünftigen Medizinkonzeption die Gefäßchirurgie langfristig angesiedelt werden soll. Aus der medizinischen Perspektive heraus betrachtet ist es aufgrund der Zusammenarbeit mit den anderen Disziplinen insbesondere der Kardiologie, der Neurologie, der Diabetologie, der Angiologie sinnvoll, die Gefäßchirurgie am Zentralklinikum vorzuhalten.

Es ist zumindest wirtschaftlich fraglich, zwei eigenständige gefäßchirurgische Kliniken in Sindelfingen und Leonberg getrennt und in Konkurrenz zueinander zu betreiben. Der Träger Landkreis Böblingen hat die Geschäftsführung beauftragt zu prüfen, ob dies dennoch möglich ist.

45. Welche Abteilungen werden in Leonberg und Herrenberg geschlossen, wenn das Medizinkonzept umgesetzt wird?

Im Modell 6 soll lediglich die Gefäßchirurgie in Leonberg nicht mehr als eigenständige Abteilung betrieben werden (siehe Frage 10). Alle weiteren Abteilungen an beiden Standorten bleiben erhalten.

46. Ist der Hubschrauberstandort in Leonberg noch haltbar, wenn das Krankenhaus Typ 2 wird?

Der in Leonberg stationierte Rettungshubschrauber wird im Grundsatz unabhängig vom Krankenhaus Leonberg betrieben. Eine Zusammenarbeit findet bei der Abdeckung der Notarztdienste statt. Der Betrieb des Rettungshubschraubers würde durch die neue Medizinkonzeption nicht eingeschränkt werden.

47. Nach dem vom Kreistag beschlossenen Eckpunktepapier zum Ausstieg Sindelfingens wird den Abteilungen am Standort Sindelfingen bis zum Neubau weitgehend Bestandsschutz zugesichert. Gibt es eine solche Zusicherung auch für die anderen Standorte im Landkreis?

Im Eckpunktepapier mit der Stadt Sindelfingen sind Änderungen in der Abteilungsstruktur nicht grundsätzlich ausgeschlossen sondern können unter bestimmten Bedingungen erfolgen.
In Bezug auf die anderen Standorte gibt es ein klares Bekenntnis des Landkreises, die Standorte erhalten zu wollen, es gibt aber bisher keine Beschlüsse in Bezug auf die Abteilungsstrukturen. Dies hat mit einem Beschluss zur Medizinkonzeption zu erfolgen.

48. Wie viel investiert der Landkreis derzeit in die Häuser in Leonberg und Herrenberg?

Der Kreistag hat beschlossen, dass der Landkreis jährlich sechs Millionen Euro in die beiden Häuser in Leonberg und Herrenberg investiert. Zusätzlich bezahlt der Landkreis knapp 15 Millionen Euro für den Defizitausgleich in 2013 und 2014 für Leonberg und Herrenberg. Dazu kommen noch rund 13 Millionen Euro für den Defizitausgleich der Häuser Böblingen und Sindelfingen in 2013 und 2014.

49. Gibt es verbindliche Aussagen des Landes, dass neben der Neubaufinanzierung auch der notwendige Sanierungsbedarf in Leonberg und Herrenberg weiterhin gefördert wird?

Die Landesförderung muss bei Maßnahmen in Bestandsgebäuden bezogen auf die einzelne Maßnahme beantragt werden. Für anstehende Maßnahmen werden entsprechende Förderanträge beim Land gestellt. Aktuell setzt das Sozialministerium jedoch voraus, dass eine übergreifende Medizinkonzeption für die Standorte vorgelegt und beschlossen wird, bevor größere Maßnahmen an den bestehenden Standorten gefördert werden.

50. Worauf begründet der Gutachter die Annahme, dass die in Leonberg und Herrenberg abgezogenen Fälle und Erlöse automatisch in der Zentralklinik ankommen?

Prinzipiell wird davon ausgegangen, dass sich die Mehrzahl der Patienten dort behandeln lassen, wo sie die besten Behandlungschancen vermuten (soweit diese nicht in der Notfallschiene landen). Bereits heute kommen Patienten aus den Gebieten um Leonberg und Herrenberg auch nach Sindelfingen und Böblingen. Aus den Gemeinden des Altkreises Leonberg gehen ca. 12% der Patienten bereits heute nach Sindelfingen-Böblingen.

Einer Patientenabwanderung kann durch eine klare Positionierung der Abteilung an ihren Standorten, das ärztlich/pflegerische Team und letzten Endes durch optimale Behandlungsqualität und –ergebnisse entgegengewirkt werden. Keines der großen Konkurrenzhäuser ist selbst frei von organisatorischen Schwächen (Wartezeiten, unklare Zuständigkeiten….), woraus sich für den KVSW als Wettbewerber Chancen ergeben. Wir denken, dass sich der KVSW im Rahmen der Neustrukturierung, mit dem Neubau auf dem Flugfeld und einer medizinischen Arbeitsteilung im Kreis sehr gut auf diesen Wettbewerb der Behandlungsqualität vorbereiten kann, da er niederschwellige Angebote vor Ort kombinieren (Diagnostik/Nachsorge) und die Spezialisierungsvorteile einer Zentralstruktur (aufwändige stationäre Kernbehandlungsphase) mit effizienteren Kosten nutzen könnte.

Voraussagen über das Wanderungsverhalten von Patienten bei strukturellen Veränderungen können verlässlich kaum durch Rechenmodelle getroffen werden. Vielmehr können Auswirkungen von strukturellen Veränderungen von bereits andernorts vorgenommenen Veränderungen abgeleitet werden. So zeigt sich aus der Erfahrung des Neubauprojekts in Villingen-Schwenningen, dass ein neues Klinikum zu einem deutlichen Fallzahlanstieg führt. Das heißt, grundsätzlich kann erwartet werden, dass die Attraktivität eines neugebauten Klinikums Sindelfingen-Böblingen dazu führen wird, dass weniger Patienten aus der Kernregion des Landkreises abwandern werden. Auf der anderen Seite gibt es durchaus die Möglichkeit, dass Patienten an den Randbereichen abwandern werden.

Insgesamt wird davon aber ausgegangen, dass eintretende Abwanderungen durch den Zugewinn an Marktanteilen kompensiert werden, so dass am Ende mindestens das Fallzahlenvolumen gehalten werden kann. (siehe dazu auch Fragen: 4, 5, 53 und 60)

51. Wie sieht die Wirtschaftlichkeitsberechnung aus, wenn alternativ keine, nur 1/3, nur die Hälfte, nur 2/3 der Patienten „umgeleitet“ werden?

Vereinfachend kann folgende überschlägige Abschätzung herangezogen werden: Es kann davon ausgegangen werden, dass auf der einen Seite pro Fall ca. 3.000 €  Erlös wegfallen würde, auf der anderen Seite die variablen und sprungfixen Kosten mit im Durchschnitt ca. 55 %, also 1.650 EUR. Damit würde sich jeder weggefallene Behandlungsfall mit ca. 1.350 EUR ergebnisverschlechternd auf das Modell auswirken.

Bei 1.000 Fällen weniger wäre dies eine Auswirkung von ca. -1,7 Mio. EUR. Damit läge das Ergebnis des Zielmodels noch bei ca. +1,7 Mio. EUR. Bei 2.000 Fällen weniger wäre dies eine Auswirkung von ca. -2,7 Mio. EUR. Damit läge das Ergebnis des Zielmodels bei ca. +/- Null.

52. Von welchen Fallzahlverlusten geht der Gutachter bei der Umsetzung des Modells 6 z.B. in Richtung Stuttgart oder Tübingen aus?

Bei den Fallzahlverschiebungen wird davon ausgegangen, dass insgesamt 35% der verschobenen Fälle den KVSW eventuell verlassen. Dies sind rd. 1.800 Fälle. Im Gegenzug wird davon ausgegangen, dass durch einen Neubau Patientenabwanderungen, die heute bereits bestehen, entgegengewirkt werden kann. Es wird angenommen, dass durch diesen „Rückgewinnungseffekt“ die Zahl möglicher Abwanderungen mindestens kompensiert werden kann.

53. Selbst die Gutachter räumen ein, dass die Patienten im Altkreis Leonberg sich nach Stuttgart orientieren werden. Schwächt man damit das Leonberger Krankenhaus, dessen Situation nun noch schwieriger werden wird, nicht noch mehr?

Nein. Wenn wir den Verbundgedanken konsequent leben, dann stärken wir den Verbund insgesamt. Das fängt bei den einweisenden Ärzten an, die sicher sein müssen, dass ihre Patienten bei uns gut behandelt werden. Übrigens kommen die Patienten nicht mit einer fertigen Diagnose in Krankenhaus. Diese wird dort abgeklärt. Auch in der neuen Struktur werden viele Fälle weiter vor Ort in Leonberg und Herrenberg behandelt werden können.

54. Gibt es künftig Auswirkungen bzw. Einschränkungen für Patienten, die am Standort Leonberg in der seit 01.01.14 neu organisierten Notfallpraxis behandelt werden?

An der Behandlung der Patienten in der Notfallpraxis vor Ort in Leonberg wird sich aus unserer Sicht nichts ändern. Auch in der vom Gutachter vorgeschlagenen Konzeption sollen alle Behandlungen durchgeführt werden können, die für die Notfallversorgung notwendig sind. Hierfür soll auch eine entsprechende medizinische Ausstattung vorgehalten werden.

55. Warum werden teilweise neu renovierte Krankenhäuser (z.B. Eingangsbereich Sindelfingen) nicht weitergeführt? Ist dies wirtschaftlich?

Nach außen hin nicht ersichtliche Maßnahmen, wie die Modernisierung der Betriebstechnik und die Umsetzung neuer Brandschutzvorgaben wären erforderlich, um die Krankenhäuser langfristig fortzuführen. Angesichts dieser Investitionen und der Synergieeffekte eines Neubaus kommen die Gutachter eindeutig zu der Einschätzung, dass trotz erfolgter Investitionen, ein Neubau die günstigere Alternative wäre.

56. Wurde jemals die Ausbaumöglichkeit des Standorts Böblingen von einem neutralen Gutachter, der nicht von vorne herein auf den Neubau eines Zentralklinikums fixiert wurde, untersucht?

Die Firma TEAMPLAN wurde im Rahmen des Einhäusigkeitsgutachtens, das zusammen mit dem Büro ARCASS und dem Büro Klett Ingenieure erstellt wurde, zu einer neutralen Prüfung beauftragt und hat dies auch so vorgenommen. Die Ausbaumöglichkeit am Standort Böblingen wurde untersucht, wie die anderen Möglichkeiten. Ein Zusammenführung der Krankenhäuser Böblingen und Sindelfingen am Standort Böblingen bei Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs unter Einbezug der bestehenden Bausubstanz hat sich im Rahmen einer differenzierten bauabschnittsweisen Realisierung als nicht wirtschaftlich erwiesen im Vergleich zu einer Realisierung eines Neubaus auf dem Flugfeld. Keines der beauftragen Unternehmen hat vom Ergebnis dieses Gutachtens einen Vorteil.

57. Wie ist die aktuelle Auslastung (Betten) der Kliniken (je Standort im Kreis Böblingen)?

zur Frage bzgl. Auslastung nachfolgende Tabelle:
 
Auslastungskennzahlen 2013 

Standort  Auslastungsgrad bezogen auf Planbetten in %
SIBB 75,6
LEO  77,7
HB  76,5
CWNA 73,5

Zu beachten ist, dass die o.g. Kennzahlen zur Auslastung nicht berücksichtigen, dass Betten auch nicht belegt werden können, z.B. weil ein Patient isoliert werden muss. Die Anzahl der belegbaren Betten ist niedriger als die der aufstellbaren Betten, d.h. die Auslastung bezogen auf belegbare Betten ist höher. Diese Daten werden aber aktuell nicht durchgängig erfasst.

58. Lässt sich der „Marktanteil“ der einzelnen Häuser bestimmen?

Die Marktanteile der Krankenhäuser im Landkreis Böblingen bezogen auf die Patienten aus dem Landkreis stellen sich wie folgt dar (Datenbasis 2012):

Einzugsgebiet Landkreis Böblingen Anzahl %
Patientenzahl 2012 64.985 100,00 %
davon behandelt im KH Sindelfingen-Böblingen 27.100 41,70 %
davon behandelt im KH Leonberg 7.805 12,01%
davon behandelt im KH Herrenberg 6.311 9,71 %
davon behandelt in anderem KH im KVSW 2.090 3,22 %
davon Abwanderungen nach außerhalb KVSW 21.679 33,36 %

Die Marktanteile der Krankenhäuser im KVSW bezogen auf die Altkreisgemeinden Leonberg stellen sich wie folgt dar:

Einzugsgebiet Gemeinden Altkreis Leonberg Anzahl %
Patientenzahl 2012 * 34.383 100,00 %
davon behandelt im KH Leonberg 10.612 30,86 %
davon behandelt im KH Sindelfingen-Böblingen 4.215 12,26 %
davon behandelt in anderem KH im KVSW 577 1,68 %
davon Abwanderungen nach außerhalb KVSW 18.979 55,20 %

* entsprechend der Krankenhaushäufigkeit Land Baden-Württemberg, ohne psychiatrische Fälle

59. Zieht das gestärkte Krankenhaus in Nagold nicht zu viele Patienten von Herrenberg ab?

In der Medizinkonzeption wird die Orthopädie von Calw nach Nagold verlagert, die Neurologie soll am Standort Calw bleiben. Die Geburtshilfe ist in Nagold nicht mehr vorgesehen. Ansonsten gibt es keine Änderungen gegenüber dem jetzigen Zustand.

Als Auswirkung kann mit einer deutlichen Zunahme der Entbindungsfälle in Herrenberg gerechnet werden. Mit Patientenabwanderungen von Herrenberg nach Nagold wird nicht gerechnet. Für Herrenberg bedeutet das vorgeschlagene Medizinkonzept zwar einen Abbau von Betten, aber eine Stärkung der wichtigen Geburtshilfe. (Siehe dazu auch Fragen: 4, 5, 51, und 53)

60. Warum wird die Urologie in Nagold und Sindelfingen nicht zusammengelegt?

Im Szenario 6 von Teamplan sind die Aussagen zur Zielkonzeption für den Landkreis Calw aus dem separaten Gutachten der Fa. GÖK herangezogen worden. Hierin wurde es als sinnvoll erachtet, dieses Leistungsangebot als Schwerpunktangebot am Standort Nagold zu belassen.

61. Wird die Onkologie an einem Standort zusammengefasst?

Die internistische Behandlung schwerer, onkologischer Fälle mit komplexen Chemotherapien sollte sicherlich zentralisiert werden. Eine Ausweitung der onkologischen Aufgabenstellung in Richtung Stammzelletransplantation wird vom Gutachter gegenwärtig nicht empfohlen, insbesondere aufgrund der sukzessive steigenden Qualitätsanforderungen und der damit einhergehenden finanziellen Risiken. Stattdessen sollte die Querschnittfunktion der Onkologie ausgebaut werden, so dass diese Kompetenz an allen Standorten eine qualitätssichernde Funktion z.B. im Rahmen von Tumorkonferenzen etc. entwickeln kann. In diesem Zusammenhang könnte es sinnvoll sein, bei ausreichenden Behandlungsfällen eine Einheit für die ambulanten Chemotherapien vor Ort vorzuhalten.

62. Lassen sich die beiden Gutachten (GÖK und Teamplan) überhaupt wie dargestellt kombinieren? Schaden die GÖK-Ergebnisse nicht dem Standort Herrenberg?

Das Gutachten von Teamplan hat die Ergebnisse des GÖK-Gutachtens berücksichtigt und in die vorgenommene Modellrechnung integriert. Insgesamt sind die Auswirkungen auf die Krankenhäuser im Landkreis Böblingen gering. Betroffen sind lediglich spezielle Leistungen aus der Allgemein- und Viszeralchirurgie in Nagold und Risikogeburten, die an den Standort Sindelfingen-Böblingen gehen sowie die normalen Entbindungen, die perspektivisch an den Standort Herrenberg verlagert werden.
 
Die Vorschläge im GÖK-Gutachten schaden dem Krankenhaus Herrenberg nicht. Vielmehr wird der Schwerpunkt Geburtshilfe am Standort Herrenberg deutlich gestärkt.

63. Warum nicht ein Typ 3-Krankenhaus für Herrenberg? Wer stellt sicher, dass Herrenberg nicht zum Typ 1 abrutscht?

Hinter dem Konzept steckt ein erhebliches Zahlenwerk, darin verarbeitet zum Beispiel auch ein eigens erstelltes Gutachten vom Statistischen Landesamt  zur demografischen Entwicklung bis 2030 für die Ermittlung des Patientenpotentials. Auf dieser Basis wurden die Typen für jeden Standort abgeleitet. Ein Typ 3 Krankenhaus ist für Herrenberg demnach unrealistisch, Typ 2 erfüllt aber wichtige Funktionen für den Verbund. Das ist laut Gutachter auch eine gesicherte Größe, die wenig Sorgen vor einem Abrutschen bereitet.

IV. Auswirkungen auf den Klinik-Neubau auf dem Flugfeld

64. Warum wartet man nicht mit der Entscheidung über einen Klinikneubau bis das Medizinkonzept endgültig verabschiedet wurde?

Eine endgültige Entscheidung über einen Neubau ist noch nicht gefallen. Die Zusammenlegung der Kliniken in Böblingen und Sindelfingen hängen aber eng mit dem neuen Medizinkonzept zusammen. Beides muss realisiert werden, damit der Klinikverbund wieder wirtschaftlich arbeiten kann.
 
Deshalb sind  in enger Abstimmung mit dem Sozialministerium bereits jetzt die Voraussetzungen für einen Klinikneubau (z.B. Fördermittel) zu schaffen, damit die politischen Entscheidungen auf dieser Grundlage getroffen werden können. Das neue Medizinkonzept wird uns mittelfristig helfen, die Defizite abzubauen, kann sich langfristig aber nur voll entfalten, wenn wir den Neubau auf dem Flugfeld stemmen.

65. Wie soll die Finanzierung funktionieren? Wie viel Zuschuss kommt vom Sozialministerium?

Bei Neubauvorhaben wird damit gerechnet, dass das Land rund 45 Prozent der Baukosten finanziert. In der bisherigen Rechnung soll der Rest über Darlehen durch die Klinikgesellschaft finanziert werden. Sofern notwendig, müssen die beteiligten Träger, aktuell der Landkreis Böblingen und die Stadt Sindelfingen, zuschießen. Derzeit wird ein Finanzierungskonzept erarbeitet, das auch dem Kreistag vorgestellt werden soll.

66. Warum braucht es den Neubau auf dem Flugfeld? Ist das nicht teurer als eine Sanierung?

Nein. Eine Sanierung bei der lediglich der Status quo erhalten wird, würde in Böblingen und Sindelfingen ähnlich viel kosten wie ein Neubau bei dem auch Verbesserungen der Infrastruktur möglich wären. Denn das Land fördert den Neubau mit voraussichtlich rund 45 Prozent deutlich höher als Sanierungen mit nur 15 bis 20 Prozent.

67. Wie viel wurde in die Kliniken Böblingen und Sindelfingen seit der Gründung des Klinikverbundes investiert?

Von 2006 bis 2012 wurden am Klinikum Sindelfingen-Böblingen investiert:

  • Bau: 31 Millionen Euro
  • Technische Anlagen: 13,3 Millionen Euro
  • Einrichtung und Ausstattung: 35,6 Millionen Euro
  • Anlagen im Bau: 3,6 Millionen Euro
  • Immaterielle Vermögensgegenstände: 6,6 Millionen Euro

Gesamtvolumen: 90,3 Millionen Euro.

68. Lassen sich die im Teamplan-Gutachten errechneten zusätzlichen Investitionskosten bis zu einem Neubau auf dem Flugfeld in Höhe von ca. 64 Mio. EUR in Böblingen und Sindelfingen noch reduzieren?

Das Gutachten zur betrieblich-baulichen Entwicklungsplanung des Klinikums Sindelfingen-Böblingen ging von 92,35 Mio. EUR Sanierungskosten für die beiden Standorte aus. Wenn ein Neubaubeschluss und der Zielhorizont des Nutzungsendes feststehen, dann wird durch alle Beteiligten jede Maßnahme auf Umfang und Dringlichkeit abgewogen. Wir gehen davon aus, dass bei einer zeitnahen Neubauentscheidung noch ca. 1/3 der ursprünglich ermittelten Sanierungskosten für die beiden Standorte investiert werden müssten, also ca. 30 Mio. EUR.

69. Welcher Teil der bisher in die Krankenhäuser in Böblingen und Sindelfingen geflossenen Landesförderung müsste beim Neubau auf dem Flugfeld zurück bezahlt werden?

Der Betrag an Fördermitteln des Landes, die bis zur Inbetriebnahme des Neubaus noch nicht durch Abschreibung aufgelöst wurden, beträgt für beide Standorte zusammen insgesamt rund 27 Mio. Euro. Diese Position wird in die Verhandlungen mit dem Sozialministerium einfließen. Positiv wirkt sicher die Tatsache, dass das Medizinkonzept eine Neuausrichtung der gesamten Krankenhauslandschaft südlich von Stuttgart bis in den Schwarzwald ermöglicht, dies ist auch ein Interesse des Landes.

70. Kann das Neubau-Gutachten auch bis 2035 statt bis 2060 gerechnet werden?

Die Abgrenzung des Betrachtungszeitraums für die Frage des Neubaus sollte sich auf einen realistischen Nutzungszeitraum beziehen. Im Gutachten wird hier ein Zeitraum von 40 Jahren angesetzt. Vermutlich ist die Nutzungsdauer eher länger als kürzer. Eine kürzere Betrachtung als 40 Jahre erscheint bei der Betrachtung der Auswirkungen eines Neubaus daher nicht als sinnvoll.
Unabhängig davon kann die Betrachtung eines kürzeren Zeitraums dadurch vorgenommen werden, dass die in der Rechnung jährlich ausgewiesenen Barwerte in den Szenarien entsprechend addiert werden. Damit ist jeder beliebige kürzere Zeitraum darstellbar.

71. Werden die Neubaupläne vom Sozialministerium unterstützt?

Ja, für 2015 will das Ministerium dafür auch eine Planungsrate im Landeshaushalt zur Verfügung stellen, sofern der Kreistag sich auf die wesentlichen Eckpunkte  einer Medizinkonzeption verständigt.

72. Was geschieht bis zur Fertigstellung eines Neubaus auf dem Flugfeld?

Bis zur Fertigstellung eines Neubaus müssen die in der vorhandenen Struktur möglichen Maßnahmen geprüft und wenn sinnvoll und möglich umgesetzt werden. Sobald eine Beschlussfassung über die Medizinkonzeption vorliegt wird es die Aufgabe der Geschäftsführung zusammen mit den Führungskräften in den Krankenhäusern sein, den Veränderungsprozess aktiv zu gestalten.

73. Wie lassen sich die gesetzlichen Grenzwerte bezüglich Lärm- und Luftschadstoffimmissionen am Standort Flugfeld einhalten?

Nach aktuellem Kenntnisstand lassen sich die Vorgaben durch entsprechende bauliche Gestaltung und bautechnische Maßnahmen erfüllen.  Die  Vorklärung der bauplanungs- oder baurechtlichen Zulässigkeit im Hinblick auf Lärm- oder Schadstoffimmissionen erfolgt für den Landkreis durch Prof. Dr. Klaus Peter Dolde, einen der renommiertesten Rechtsexperten für solche Fragen. Bislang sind keine Anhaltspunkte erkennbar, die den Bau eines zentralen Klinikums an dieser Stelle aus Gründen des Lärms oder sonstiger immissionsschutzrechtlicher Regelungen ausschließen würden.

74. Wie ist die verkehrliche Erreichbarkeit des geplanten Standorts Flugfeld im Vergleich zu den beiden Häusern Böblingen und Sindelfingen (sowohl Individual- wie auch öffentlicher Verkehr)?

In der Standortanalyse für einen Neubau wurde von den Altstandorten nur der Standort Bunsenstraße noch mit aufgenommen, der Standort Sindelfingen nicht. Der Standort Bunsenstraße schneidet bezüglich der ÖPNV Anbindung wegen der größeren Entfernung der S-Bahnhaltstation schlechter ab als das Flugfeld. Für die Busanbindung macht es keinen wesentlichen Unterschied. Bezüglich der PKW-Anbindung wurde das Flugfeld ebenfalls begünstigt angesehen, da die angrenzenden Hauptverkehrsachse B 464 von größerer Bedeutung ist als die K 1057. Die Lage zur A 81 wurde ähnlich bewertet.

75. Wann müsste in Herrenberg und Leonberg neu gebaut werden?

Ein Neubau kann dann sinnvoll sein, wenn notwendige Sanierungsmaßnahmen nicht mehr ausreichen, sehr umfangreich und teuer sind oder wenn die Gebäudestruktur veraltet und betrieblich nachteilig ist. Die Gebäudestruktur bei den beiden Krankenhäusern ist für heutige Maßstäbe und im Vergleich relativ gut. An  beiden Standorten, insbesondere aber am Standort Leonberg, wurden zudem in den letzten Jahren umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt, sodass die Ablösung durch einen Neubau mittelfristig nicht notwendig erscheint.

76. Gibt es trotz des vom Landkreis angestrebten Neubaus verbindliche Förderzusagen des Landes für den Sanierungsbedarf in Leonberg und Herrenberg?

Die Landesförderung muss bei Maßnahmen in Bestandsgebäuden bezogen auf die einzelne Maßnahme beantragt werden. Für anstehende Maßnahmen werden entsprechende Förderanträge beim Land gestellt. Aktuell setzt das Sozialministerium jedoch voraus, dass eine übergreifende Medizinkonzeption für die Standorte vorgelegt und beschlossen wird, bevor größere Maßnahmen an den bestehenden Standorten gefördert werden.

V. Ausstieg der Stadt Sindelfingen

77. Wie ist der aktuelle Stand beim Ausstieg der Stadt Sindelfingen?

Der Landkreis Böblingen und die Stadt Sindelfingen haben sich auf Eckpunkte für einen Ausstieg der Stadt geeinigt. Diese sehen vor, dass die Stadt rückwirkend zum 31. Dezember 2013 aus dem Klinikverbund ausscheidet. Diese Eckpunkte wurden von den Gremien (Kreistag und Gemeinderat) beschlossen und müssen nun vertraglich fixiert werden. Erst dann wird der Ausstieg rechtskräftig. Details zu den Eckpunkten gibt es im Internet im Kreistagsinformationssystem.

78. Was ist das Medizinkonzept ohne den Gesellschafter Sindelfingen wert?

Das Konzept würde durch einen Ausstieg nicht tangiert, der Landkreis wird die Geschäftsanteile der Stadt Sindelfingen übernehmen undden Weg hin zu einer neuen Ausrichtung und einem Neubau auch ohne den Gesellschafter Sindelfingen beschreiten. Andersherum bedeuten die beschlossen Eckpunkte zum Ausstieg der Stadt Sindelfingen als Gesellschafter nicht, dass der Neubau und das Medizinkonzept beschlossen wurden.