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Zusammenlegung der Krankenhäuser in Böblingen und Sindelfingen

Kreistag stimmt Kauf eines Grundstücks auf dem Flugfeld für 15,7 Millionen Euro zu

Landrat Bernhard: „Wichtige Etappe zur Sicherung der Gesundheitsversorgung“

copyright: ZV Flugfeld

Der Kreistag des Landkreises Böblingen hat in seiner Sitzung am Montag (18. Juli) dem Kauf des Grundstücks auf dem Flugfeld Böblingen/Sindelfingen zum Bau eines neuen Krankenhauses zugestimmt. Das gab der Landkreis in einer Pressemitteilung bekannt.

Darin ist unter anderem der Kaufpreis mit 15,7 Millionen Euro festgelegt. Das Grundstück mit rund 50.000 Quadratmetern liegt auf Böblinger Gemarkung am südlichen Rand des Flugfelds und wird vom Zweckverband Flugfeld Böblingen/Sindelfingen entwickelt und verkauft. 

„Mit dem Kauf des Grundstückes werden wir eine weitere Etappe hin zu einer zukunftsgerichteten Krankenhausversorgung im Raum Böblingen-Sindelfingen und dem ganzen Kreis erreichen“, erklärt der Landrat Roland Bernhard. Mit dem Kaufpreis habe man einen fairen Kompromiss zwischen den Interessen des Kreises und der Städte in Verbindung mit dem Zweckverband Flugfeld geschlossen. Auch die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Flugfeld muss dem Verkauf an den Kreis zustimmen.
 
Der Landrat ist überzeugt: „Durch die Zusammenlegung der beiden Krankenhäuser in Böblingen und Sindelfingen werden wir die Qualität der medizinischen Versorgung der Patienten im Kreis Böblingen deutlich verbessern können und dabei die Wirtschaftlichkeit beim Betrieb erhöhen. Das Flugfeld direkt zwischen Böblingen und Sindelfingen ist dafür der richtige Standort.“

Gleichzeitig habe der Kreistag den städtebaulichen Vertrag mit dem Zweckverband Flugfeld und der Stadt Böblingen verabschiedet, der das weitere Verfahren der Bauleitplanung regelt. Der Klinikverbund Südwest hat damit begonnen, dafür den städtebaulichen Ideenwettbewerb einzuleiten.

Im Herbst des Jahres soll dann ein Siegerentwurf ausgewählt werden. Auf dessen Basis können die Planungen vertieft werden, um den konkreten Entwurf des Klinikums auszuarbeiten. Um die Öffentlichkeit zu beteiligen, hat der Kreistag bereits ein Kommunikations- und Beteiligungskonzept beschlossen. Am kommenden Montag (25.7.) findet dazu ein „Forum Flugfeldklinik“ statt (mehr unter www.lrabb.de/kliniken).
 
Der mit dem Kaufvertrag des Grundstücks ausgewählte Standort war das Ergebnis eines Gutachtens zu alternativen Standorten im Raum Böblingen und Sindelfingen. 2013 hatte ein Gutachten elf Standorte geprüft. Darin eingeflossen waren Vorschläge aus einer Bürgerinfoveranstaltung im November 2012. Die Prüfung erfolgte anhand der drei Hauptkategorien Lage, Erschließung und Grundstück.

Die Kategorie Lage berücksichtigte etwa die Anforderungen zur Patientennähe. Weiter wurden ökologische Aspekte überprüft und die Emissionsanforderungen im jeweiligen Gebiet bewertet. Die Kategorie Erschließung wurde unter Berücksichtigung der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und das Straßennetz bewertet. Für die Eignung des Grundstücks wurden vor allem Fläche, Zuschnitt, potentielle Geschossflächenzahl und Erweiterungsmöglichkeiten geprüft.

Ebenso waren die baurechtlichen Bedingungen und die Vorgaben des Landesentwicklungsplans für das jeweilige Grundstück abzufragen und für die Nutzung des Krankenhausbetriebes zu bewerten. Zusätzlich flossen die Kriterien der Verfügbarkeit und Struktur der Eigentümerverhältnisse in die Bewertung mit ein.
 
Geprüft wurden neben dem nun gewählten Standort „Flugfeld Süd“ folgende Alternativen:  „Flugfeld Nord“, „Flugfeld Nord-Östlich“, auf der Gemarkung Böblingen „Friedrich-Gerstlacher-Strasse/Waldgebiet Goldberg“, „Gewann Runs“, „Gewann Stöckach“, „Gewann Grenzweg“ und ein weiterer Standort in der Bunsenstraße sowie auf der Gemarkung Sindelfingen „Tübinger Allee“, „Gewann Seiler“ und das „Gewann Häslach“. Unter Berücksichtigung aller Bewertungskriterien und nach Anwendung der Ausschlusskriterien lag das „Flugfeld Süd“ an der Spitze, gefolgt vom „Gewann Seiler“.
 
Die aktuellen Klinikstandorte in der Arthur-Gruber-Straße 70 in Sindelfingen und der Bunsenstraße 120 in Böblingen wurden bereits in dem Gutachten zur Entwicklungsplanung des Klinikums Sindelfingen-Böblingen vom Sommer 2012 als mögliche Klinikstandorte geprüft. Hier kamen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Erweiterung eines der bestehenden Standorte medizinisch und wirtschaftlich gegenüber einem Neubau deutlich ungünstiger abschneiden würde.

Ein Weiterbetrieb der beiden bestehenden Standorte in der jetzigen Form würde in den kommenden fünfzig Jahren bei einem Defizit von knapp einer halben Milliarde Euro landen und kaum Vorteile für die medizinische Qualität und die Patientenversorgung bringen. Da im laufenden Klinikbetrieb saniert werden müsste, würde sich die Bauzeit jeweils auf mindestens 17 Jahre erstrecken und ebenfalls dreistellige Millionenbeträge kosten.

Beide Szenarien würden zudem eine erhebliche Beeinträchtigung für die Mitarbeiter und Patienten mit sich bringen. Eine Verbesserung der medizinischen Versorgung könne damit ebenfalls nicht erreicht werden. Die Standortanalyse wurde im Rahmen eines Bürgerforums im Juli 2013 in der Kongresshalle Böblingen vorgestellt werden.
 
Bereits Ende Dezember 2012 hatte der Kreistag Böblingen und der Aufsichtsrat des Klinikverbundes Südwest eine Absichtserklärung zum Neubau auf dem Flugfeld verabschiedet. Eine Untersuchung hatte damals ergeben, dass ein Neubau die medizinisch und wirtschaftlich sinnvollste Alternative für die Zukunft des Klinikums Sindelfingen-Böblingen.

Die Analyse empfiehlt die räumliche Zusammenlegung des Klinikums Sindelfingen-Böblingen, dass bereits heute als ein Krankenhaus mit zwei Standorten geführt wird. Die Kosten dafür liegen mit Risikoaufschlag zwischen 423 bis 452 Millionen Euro. „Der Neubau ist unsere große Chance, die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf höchstem Niveau für die nächsten Jahrzehnte sicherzustellen“, so der Landrat Roland Bernhard.

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