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10 Jahre INSPIRE – Geodatennutzer aufgepasst!

Überführung der Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters nach ETRS89/UTM

INSPIRE ist ein Vorhaben der Europäischen Union. Es sieht vor, dass die grenzüberschreitende Nutzung von Geodaten erleichtert wird, vor allem um eine gemeinschaftliche Umweltpolitik zu unterstützen. Peter Scholl, Leiter des Amts für Vermessung und Flurneuordnung im Landratsamt Böblingen: „Die EU INSPIRE Richtlinie, ausgesprochen INfrastructure for SPatial InfoRmation in the European Community vom 14. März 2007 verfolgt das Ziel der Schaffung einer einheitlichen europäischen Geodateninfrastruktur.

Hierbei sollen sämtliche Geodaten in Europa standardisiert und in ein einheitliches Format überführt werden, um sie grenzübergreifend nutzbar zu machen.“ Die Daten sollen leichter zu finden und auch im Internet abrufbar sein. So nützt INSPIRE nicht nur der Verwaltung sondern auch den Bürgerinnen und Bürgern, sowie der Wirtschaft. Die Richtlinie wurde von allen Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt. In Deutschland wurden auf Ebene von Bund und Ländern Geodatenzugangsgesetze erlassen.
 

Ein europaweit einheitliches Koordinatensystem ist Grundvoraussetzung für die Einführung einer einheitlichen Geodateninfrastruktur. Europaweit wird das Koordinatensystem ETRS89 mit der Abbildung UTM eingeführt. Die Vermessungsverwaltung in Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, die Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters (ALKIS) und der Landesvermessung (ATKIS, AFIS) bis Ende 2017 in dieses europaweite Bezugssystem zu überführen.
Mit der Überführung des Liegenschaftskatasters nach ETRS89/UTM wird einerseits vorab das Punktfeld verbessert, das überwiegend als Grundlage für alle amtlichen Vermessungen, insbesondere der Katastervermessung und der topographischen Landesaufnahme dienst, andererseits soll schließend eine direkte Koordinatenbestimmung mittels GNNS und dem amtlichen Satellitenpositionierungsdienst SAPOS® ermöglicht werden.

Amtsleiter Peter Scholl erklärt: „Zur Vorbereitung der landesweiten Überführung des Liegenschaftskatasters nach ETRS89/UTM wurden in den vergangenen Jahren auch vom Amt für Vermessung und Flurneuordnung des Landratsamts Böblingen Passpunkte im zukünftigen Landeskoordinatensystem ETRS89/UTM bestimmt.“ Passpunkte sind Bezugspunkte, mit deren Hilfe Daten aus unterschiedlichen Koordinatensystemen auf ein gemeinsames System transformiert werden. Dem Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) wurde gemeldet, dass genügend identische Punkte bestimmt wurden und dass die Passpunkte auf grobe Fehler überprüft wurden. Im Landkreis Böblingen sind seit Ende 2016 alle Gemarkungen abschließend bearbeitet. Alle Liegenschaftsvermessungen dürfen nach der Überführung nur noch im neuen Landeskoordinatensystem durchgeführt werden. Bei jeder Vermessung sind endgültige Landeskoordinaten zu schaffen. Da für ETRS89/UTM andere Flächen- und Streckenkorrekturparameter als im alten System gelten, müssen die vermessungstechnischen Softwarelösungen entsprechend angepasst werden.
 
Die Umstellung der Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters (ALKIS) und der Landesvermessung (ATKIS und AFIS) nach ETRS89/UTM hat auch Auswirkungen auf Fachanwender und Geofachdaten. Geodatennutzer erhalten ab 2018 nur noch Geobasisdaten im neuen Koordinatenreferenzsystem ETRS89/UTM. Geodatennutzer sollten sich daher rechtzeitig über das neue Koordinatenreferenzsystem informieren und prüfen, ob ihre Softwarekomponenten mit den neuen Koordinaten arbeiten können.
Bei Fragen können Sie sich gerne an das Amt für Vermessung und Flurneuordnung wenden, Tel.:07031/663-50 00 oder per Mail avf@lrabb.de.

(Erstellt am 10. August 2017)