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Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Böblingen nimmt am Projekt „Kommunaler Wissenstransfer Maghreb-Deutschland“ teil

Besuch der tunesischen Partnerkommune El Guettar in Böblingen

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Böblingen (AWB) beteiligt sich am Projekt „Kommunaler Wissenstransfer Maghreb-Deutschland“. Er möchte seine langjährigen Erfahrungen als Entsorgungsunternehmen bei der Unterstützung nordafrikanischer Staaten zum Aufbau einer leistungsfähigen Abfallwirtschaft einbringen.

Träger des Projektes im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sind die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW), die die einzelnen Projekte auch finanziell unterstützen.

„Wir bekennen uns zu unserer Verantwortung, die globalen Wirkungen unseres lokalen Handelns zu berücksichtigen“, erklärt Wolfgang Bagin, Werkleiter des AWB. „Beim Aufbau lokaler Selbstverwaltung und bei der Entwicklung lokaler demokratischer Strukturen sind Wissen und Erfahrungen deutscher Städte und Landkreise gefragt, wir möchten diese für eine nachhaltige Entwicklung in einer tunesischen Kommune nutzen“.
 
Nachdem sich eine Delegation aus Böblingen zusammen mit Vertretern der Städte Freiburg und Darmstadt im vergangenen Dezember vor Ort ein Bild von den Strukturen und Randbedingungen in der jeweiligen Partnerkommune machen konnte, stand im Mai diesen Jahres der Gegenbesuch von zwei Vertretern der Stadt El Guettar zusammen mit einer Mitarbeiterin der GIZ an. Begleitet von einer Dolmetscherin begrüßte Wolfgang Bagin Thameur Hamdi und Lotfi Rachdi von der Stadtverwaltung El Guettar nach einem Empfang und der Besichtigung einiger Einrichtungen in Darmstadt auf dem Böblinger Bahnhof.


„Da wir in Böblingen sämtliche Aufgaben rund um die Abfallentsorgung selbst erledigen, wollten wir unseren Gästen einen umfassenden Überblick über unsere Leistungen bieten“, erläutert Wolfgang Bagin. Natürlich sei man sich bewusst, dass die Abfallwirtschaft in Tunesien aufgrund der wirtschaftlichen, technischen und auch politischen Möglichkeiten nicht mit der hiesigen Situation vergleichbar ist und man die „Kollegen nicht überfordern dürfe. Dennoch wollte man demonstrieren, wie eine moderne und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Abfallwirtschaft in Deutschland funktioniert. Auf der Projektagenda der tunesischen Partner steht das Sammeln und Recyceln von Kunststoffabfällen, die Abfallberatung und die Förderung der Eigenkompostierung – „ohne Frage Themen, die wir in Böblingen seit längerer Zeit erfolgreich praktizieren“.
 
Zu Beginn des Besuchs erläuterte Wolfgang Bagin den Gästen aus Tunesien anhand einiger Folien die Böblinger Abfallwirtschaft. Einen Schwerpunkt bildeten dabei der Bereich Abfalltrennung sowie die vielfältigen Maßnahmen der Abfallberatung, die beim AWB seit vielen Jahren zur Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger durchgeführt werden. Wie Abfalltrennung „live“ funktioniert, erfuhren die Tunesier auf dem Wertstoffhof Böblingen-Hulb. Was anschließend mit den getrennt gesammelten Wertstoffen passiert, zeigte der Besuch auf der Wertstoffumschlaganlage in Sindelfingen.
 
Dazwischen ließ es sich Landrat Roland Bernhard nicht nehmen, die Delegation persönlich im Landratsamt zu begrüßen. „Kommunen sind die treibende Kraft, für eine nachhaltige Entwicklung und für die Sicherstellung der Daseinsvorsorge in Ländern wie den Maghreb-Staaten zu sorgen“, ist sich Landrat Bernhard mit Bundesentwicklungshilfeminister Dr. Gerd Müller einig, wie dieser jüngst bei einem Besuch im Landkreis ebenfalls betonte. „Ich freue mich, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb dieses Projekt unterstützt“, so der Landrat. Der Austausch „auf Augenhöhe“ mit den Partnern aus Tunesien ermögliche wichtige Impulse, die kommunale Ebene in El Guettar zu stärken.


Auf dem Programm standen noch eine Besichtigung der Vergärungsanlage in Leonberg sowie der Kreismülldeponie in Sindelfingen mit ihrer neuen Oberflächenabdichtung. Neben dem fachlichen Austausch, der mit Hilfe der Dolmetscherin auf Französisch erfolgte, kam natürlich auch das Rahmenprogramm nicht zu kurz. Neben einem Stadtrundgang in Böblingen und gemeinsamen Abendessen – am Abschlusstag sogar mit arabischen Köstlichkeiten – erhielten die Gäste ausreichend Gelegenheit zu einem Einkaufsbummel.
 
Die tunesischen Gäste zeigten sich sehr beeindruckt von den Leistungen, die der Böblinger Abfallwirtschaftsbetrieb für seine Bürgerinnen und Bürger erbringt, und nahmen einige wertvolle Anregungen insbesondere zum Vorgehen bei der Abfallberatung mit zurück in die Heimat. Fortgesetzt werden soll das Projekt mit einem weiteren Besuch der AWB-Vertreter in Tunesien voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres. Dann soll auch ein Scheck übergeben werden, mit dem der Landkreis eine Baumpflanzaktion der Stadt El Guettar finanziell unterstützt.  
 
Hinweis für die Redaktion:
Bild 1: von links nach rechts sehen Sie:
Frau Ramla Ayadi (Mitarbeiterin der GIZ in Tunesien), Herr Roland Bernhard (Landrat), Herr Lotfi Rachdi und Herr Thameur Hamdi (Mitarbeiter der Stadtverwaltung El Guettar)
 
Bild 2: von links nach rechts sehen Sie:
Herr Lotfi Rachdi, Wolfgang Bagin (Werkleiter des AWB), Herr Thameur Hamdi (auf der Wertstoffumschlaganlage auf der ehemaligen Kreismülldeponie Sindelfingen)